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Schnitzen und stricken als Therapie-Methode

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Kindergärtnerin Feroogh Razazi-Hüsch zeigt, wie’s geht
Kindergärtnerin Feroogh Razazi-Hüsch zeigt, wie’s geht © Martin Weis

Schreinerei Stadler und Kita „Im Sonnengarten“ veranstalten einen Handarbeit-Workshop.

Von Christoph Eiben

Während die kleinen Jungen eifrig an Fräsmaschinen unter dem Rauschen der Sägeblätter Schwerter aus Holz zurechtschneiden, sind die Mädchen damit beschäftigt, Filzstücke in die richtige Größe zu bringen. „Wir machen einen Griff für das Schwert“, erklärt der kleine Carlos, während er die Schere in der Hand hält. Er arbeitet scheinbar lieber mit den Mädchen an einer Werkbank zusammen.

An einem anderem Tisch in der Schreinerei stricken Jungen und Mädchen gemeinsam fleißig um die Wette. Organisiert und veranstaltet wird der Workshop zum Thema Sägen und Handstricken von der Schreinerei Stadler und der evangelischen Kindertagesstätte „Im Sonnengarten“.

Die Kinder zwischen fünf und acht Jahren sollen unter anderem das Gestalten mit Holz lernen. Es wirkt wie ein schöner Freizeitspaß für die Kinder an diesem Samstagmorgen an den Werkbänken. Das ist es, hat aber auch einen tiefliegenderen Grund wie Reiner Winkel, Chefarzt der Handchirurgie an der Frankfurter Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik, erklärt. „Hinter solchen handwerklichen Tätigkeiten kann ein therapeutischer Anlass liegen“, sagt Winkel. So würden Extremitäten nach einer Ruhigstellung oftmals vom Körper abgestoßen. Der sogenannte „Verlustschmerz“ betreffe meist die Hände von Patienten. Betroffene hätten Schmerzen und könnten die Hand nur sehr eingeschränkt nutzen, obwohl der eigentliche Heilungsprozess, beispielsweise ein Knochenbruch, schon längst abgeschlossen sei. „Sowas ist dem Bewusstsein nicht zugängig“, erklärt Winkel.

Jedoch sei es möglich, „Sinne und Wahrnehmung durch handwerkliche Tätigkeiten wiederherzustellen“. So sei es einigen Patienten nicht möglich, mit ihrer Hand das Gesicht zu berühren. Die Therapie würde diese und andere Fähigkeiten wiederherstellen, erklärt der Chirurg.

Gerade deshalb sei es gut, dass auch Kinder ihre Hände auf diese Art kennenlernen. So oder so: Die Kinder haben sichtlich Spaß an dem Workshop und freuen sich über ihre Erfolge beim Stricken, Schnitzen, Schleifen und Co. „Das macht Spaß“, freut sich ein kleines Mädchen zum Abschluss.

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