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Die Küchencrew im Café Olé: (v. links) Aziz Rahimi, Mustapha Toutouch, Mohamad Rahimi und Sabawun Najar.
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Die Küchencrew im Café Olé: (v. links) Aziz Rahimi, Mustapha Toutouch, Mohamad Rahimi und Sabawun Najar.

Integration

Schnitzel und "Kabuli"

  • Torsten Weigelt
    VonTorsten Weigelt
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Im Café Olé lernen junge Flüchtlinge die Basics der Gastronomie.

Nein, gekocht habe er bislang noch nicht, sagt Zukhajraev Mogomed. Der 18 Jahre alte Tschetschene arbeitet seit einer Woche im Café Olé in Usingen mit und lernt dort zunächst einmal die Tätigkeiten einer Servicekraft kennen. Getränke einschenken, Tische abwischen, aufräumen, darum sei es in den ersten Tagen gegangen, schildert er. Er hoffe aber, bald auch einmal in die Küche zu kommen. 

Dort ist Sabawun Najar inzwischen regelmäßig zu finden. Der 22 Jahre alte Afghane gehört bereits seit vier Monaten zum Café-Crew, die komplett aus jungen Flüchtlingen besteht. Er koche auch privat gern, sagt er, dann aber vor allem afghanische Gerichte. Etwa „Kabuli“, den afghanischen Reis mit Rosinen und kleingeschnittenen Karotten, den er gemeinsam mit seinen Kollegen nun auch beim Besuch von Staatssekretär Kai Klose, dem Bevollmächtigten für Integration und Antidiskriminierung der Hessischen Landesregierung, zubereitet hat. 

Natürlich wisse er aber inzwischen auch, wie man ein Schnitzel in die Pfanne haue, erzählt Sabawun Najar. Sein Ziel sei es, einen Ausbildungsplatz als Koch zu ergattern, sagt er. Im Café Olé erwerben er und aktuell sieben weitere Geflüchtete dazu die nötige berufliche Basisqualifikation. Dabei handele es sich keineswegs um ein „Kuschelprogramm“, betont Eva Urban-Puhl, Geschäftsführerin des Trägervereins Starthilfe. Pro Tag werden im Café Olé 160 Essen produziert. „Und die müssen pünktlich fertig sein“, so Urban-Puhl. Schließlich beliefert das Café damit vor allem Kita- und Schulkinder. 

Darüber hinaus ist das Café in der Wilhelm-Martin-Dienstbach-Straße von Montag bis Donnerstag von 11.30 bis 14 Uhr geöffnet und bietet einen günstigen Mittagstisch für fünf Euro. Die Gäste seien vor allem ältere Usinger, schildert Café-Leiterin Kerstin Riedel. Bekocht und bedient werden sie von jungen Geflüchteten im Alter zwischen 18 und 30 Jahren. Diese lernen neben Kartoffelschälen und Salatputzen vor allem auch die gastronomische Fachsprache kennen, erklärt Riedel. Hinzu kommen interkulturelle Kompetenz und ein Verhaltensknigge.

Bislang 38 Projektteilnehmer

Seit August 2016 haben insgesamt 38 junge Leute das Projekt des Vereins Starthilfe durchlaufen; die meisten waren männlich und stammten aus Afghanistan, Eritrea, Syrien und Somalia. Die Vermittlungsquote habe sich inzwischen auf 80 Prozent erhöht, teilte Ko-Geschäftsführerin Maria Goldhammer mit. 

Es sei gelungen Kooperationsverträge für Praktika mit verschiedenen Gastronomie-Betrieben abzuschließen. Dabei ergebe sich oft ein „Klebeeffekt“, der in ein längeres Eingliederungspraktikum oder direkt in einen Ausbildungsvertrag münde, schildert Goldhammer. Den Angaben nach hat etwa die Hälfte der Teilnehmer im Anschluss an die Fortbildung eine Ausbildung als Restaurantfachmann, Fachgehilfe in der Gastronomie oder Koch begonnen. Etwa ein Zehntel fand direkt eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. 

Eine Sorge hat die Starthilfe allerdings: Bislang wurde das Projekt finanziell vom Land Hessen gefördert. Damit ist jedoch voraussichtlich zum 30. Juni Schluss. Es werde ein Anschlussprojekt geben, teilt der Hochtaunuskreis mit. Vielleicht sorgt ja auch der Besuch von Staatssekretär Klose für ein Umdenken beim Land. Er ließ sich jedenfalls gleich als Küchenhilfe einspannen.

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