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Schnelle Kunst für die Wand

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Von: Olaf Velte

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An der ehemaligen Sporthalle entstehen unter Anleitung bunte Kunstwerke.
An der ehemaligen Sporthalle entstehen unter Anleitung bunte Kunstwerke. © Michael Schick

Der Graffiti-Workshop der Friedrichsdorfer Sommerakademie ist auch in diesem Jahr voll ausgebucht. Nach theoretischer Anleitung können die Jugendlichen auf dem Gelände der ehemaligen Philipp-Reis-Schule sprayen, was die Sprühdose hergibt - und das ganz legal.

Die Katze kifft. Und sie ist „crazy“. Dies behauptet zumindest der Schriftzug über dem struppigen Bauchfell. Ihre Schöpferin hat das Werk gerade beendet und lacht. Es ist eine freche, schnelle Kunst, die sich über die Außenwände der alten Turnhalle ausbreitet. „Viele Variationsmöglichkeiten“, sagt Mira und greift sich die nächste Spraydose. Die 16-Jährige aus Hunoldstal ist Teilnehmerin des Graffiti-Workshops im Rahmen der Friedrichsdorfer Sommerakademie.

Der mehrtägige Kurs ist auch in diesem Jahr wieder ausgebucht. „Ein Erfolgsmodell im vierten Jahr“, so Heike Havenstein vom städtischen Sport- und Kulturamt. Auf dem Gelände der ehemaligen Philipp-Reis-Schule – wo sich der Pflanzenwuchs nach der Verlegung des Schulbetriebs ungehindert ausbreitet – haben sich fünfzehn Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren eingefunden. Sie setzen in die Tat um, was unter Anleitung von Graffiti-Meister Benjamin Theodor theoretisch vorbereitet wurde. Ohne Studium von Material und Technik geht es nicht. Die oft unbeliebten Tags sind rasch aufgesprüht, artifizielle Gestaltungen basieren jedoch auf Wissen und Übung.

Weniger illegale Schmierereien

So bringt der zehnjährige Jona aus Rodheim seinen vorgezeichneten Schriftzug – ein sogenanntes Piece – auf die Wand. „Style“ gesellt sich nun zu „Mara“, dem verschnörkelten Namen von Laurins Freundin. Aus Kelsterbach angereist, kann er mit drei Teilnahmen bereits als Akademie-Veteran gelten. Wie andere Sprayer ist er ständig auf der Suche nach legalen Betätigungsfeldern.

„Der Street Art stehen kaum ausgewiesene Flächen zur Verfügung“, sagt Mitarbeiter Can Alp. Für Kursleiter Benjamin Theodor ist klar: „Mehr offizielle Spots – weniger illegale Schmierereien“. Ob Friedrichsdorf – „die Stadt macht viel für die Kunst“ – das Schulgebäude nicht doch für Graffiti freigeben kann?

Ein Angebot, das auch die 16-jährige Anna gerne annehmen würde. Als Neuling schwärmt sie von der „frei fließenden Kreativität“. „Spoilt“ hat sie in acht Stunden vollendet. Wie Wandnachbarin Mira folgt die Friedrichsdorferin eigenen künstlerischen Ambitionen. Kein Zweifel: Hier wird die Betontristesse gerockt.

Heute endet die elfte Sommerakademie mit einer großen Präsentation in der neuen Schule an der Färberstraße. Ab 17 Uhr treten alle Teilnehmer ins Rampenlicht. Neben HipHop-Moves darf auch die junge, schnelle Kunst aus der Spraydose nicht fehlen

Den frischen Wänden des Neubaus wird dabei keine Gewalt angetan – eine Dia-Show zeigt, wo die verrückte Katze in Ruhe ihren Joint genießen darf.

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