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Schmuckstück in der Altstadt

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Von: Götz Nawroth-Rapp

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Thomas Esch in der restaurierten Scheune.
Thomas Esch in der restaurierten Scheune. © Michael Schick

Die Strackgasse beherbergt eine restaurierte Scheune. Es handelt sich um die einzige noch vollständig erhaltene fränkische Hofreite der Stadt. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1655.

Betagte Häuser gibt es zuhauf in der Altstadt. Wenn man aber bei Thomas Esch in der Strackgasse zu Gast ist, hat man die Möglichkeit, etwas ganz besonderes zu besichtigen. Seine Familie ist im Besitz der einzigen noch vollständig erhaltenen fränkischen Hofreite der Stadt, wie Esch selbst sagt. Das Gebäude-Ensemble umfasst ein Wohnhaus, ein Knechtgebäude – und eine Scheune, die nach ihrer äußerst akribischen Wiederherstellung zu einem wahren Schmuckstück geworden ist.

Rund zwei Jahre dauerte die Sanierung. „Es gab eine enge Abstimmung mit den Denkmalbehörden“, sagt Esch. Das war auch deshalb nötig, weil im Parterre ein Raum eingerichtet wurde. „Eine Wohnnutzung wurde aus Denkmalschutzgründen abgelehnt, nun ist es ein Büroraum.“ Der soll denn auch zeitnah vermietet werden, Interessenten gibt es bereits. Blickt man vom Parterre nach oben, ist die Sicht frei bis unter das Dach. Schräg eingebaute Glasfenster trennen das beheizbare Erdgeschoss vom Raum unter dem Giebeldach, der weder klimatisiert noch gedämmt ist. Im Winter ist es hier ordentlich kalt. Fertiggestellt wurde die Scheune im April des Jahres 1655 vom Mühlenbesitzer Hans Paul Walnau – davon zeugt auch eine Inschrift außen über dem Scheunentor.

Kriegszerstörtes Oberursel

Besonders stolz ist Esch, der als Bauleiter auch selbst mit Hand anlegte, auf den etwa 16 Meter langen Eichenbalken, der längs durch das Gebäude läuft und die Giebelseiten verbindet. Es soll landesweit einer der längsten derartigen Balken sein, das Holz mindestens 850 Jahre alt sein.

Auch sonst besteht die Scheune – abgesehen von den Dachlatten – aus dem Holz von Eichenbäumen. „Das alte Holz ist versteinert, da kommt auch der Holzwurm nicht in den Kern“, betont Esch. Zudem ließen sich Nägel nicht einfach so in die Balken schlagen. Dass Eichenholz Verwendung beim Bau einer Scheune gefunden hätte, sei ohnehin recht ungewöhnlich, befindet Esch. Zumal damals, wenige Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, hochwertige Baustoffe knapp und überaus begehrt waren.

Oberursel war damals weitgehend zerstört worden. Deshalb stammen die meisten Gebäude in der historischen Altstadt aus der Zeit nach 1650. Erst 73 Jahre nach dem Bau der Scheune wurde etwa die benachbarte Hospitalkirche vom Mainzer Weihbischof geweiht, im Sommer 1728.

Das Gebäude wird in Kürze bei dem Wettbewerb um den Hessischen Denkmalschutzpreis teilnehmen. Das Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden bezeichnete das Bauwerk als eine der schönsten Scheunen in Hessen, wie Esch voll Stolz sagt. Es sei vorstellbar, dem Geschichtsverein Führungen in der Scheune anzubieten.

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