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Hängepartie in Schmitten

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Von: Olaf Velte

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Ob es solche Bilder bald in Schmitten zu sehen gibt, ist ungewiss.
Ob es solche Bilder bald in Schmitten zu sehen gibt, ist ungewiss. © Joachim Storch

Die geplante Sommerrodelbahn auf dem Feldberg ist ein Streitthema für die Gemeindepolitik und Bürgerinitiativen. Dabei sind die Grenzen gezogen und die Fronten verhärtet.

Alles deutet auf eine Hängepartie mit ungewissem Ausgang hin. Wer sich mit dem Thema „Alpine Coaster am Großen Feldberg“ beschäftigt, begibt sich in die labyrinthischen Untiefen kommunaler Findungsprozesse. Derzeit wird in der Gemeindeverwaltung von Schmitten erneut an Entscheidungsvorlage und Absichtserklärung („Letter of Intent“) zur geplanten Sommerrodelbahn gearbeitet – die ersten Versionen hatten im Gemeindeparlament keine Mehrheit gefunden. Vertreter von CDU, Grüne, SPD und UB fordern Nachbesserungen und monieren zu viele offene Fragen.

Neben den verschiedenen politischen Vertretern werfen sich im Hohen Taunus mittlerweile auch immer mehr organisierte Bürger ins Getümmel: Die „Initiative zur Verhinderung des Baus einer Sommerrodelbahn auf dem Feldberg“ hat sich ebenso in Stellung gebracht wie „Pro Sommerrodelbahn Großer Feldberg Schmitten“ oder „Feldberginitiative e.V.“. Die Grenzen sind gezogen, die Fronten verhärtet.

Wer die von Investorenhand vorangetriebene Freizeiteinrichtung an der südwestlichen Bergflanke befürwortet, hofft auf eine touristische Belebung der Region. Verkehrsbelastungen, Umweltzerstörung und verschlechterte Wohnqualität befürchten die Gegner. Wie auch immer: Die Entscheidung, ob Rodelbahnspezialist Josef Wiegand seine Pläne umsetzen kann, fällt auf der politischen Bühne. Die, nach Meinung von Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG), zurzeit von „Spielereien“ beherrscht wird.

Da sei eine CDU, die dem Bahn-Bau positiv gegenüber stehe, sich aber am Bremshebel festklammere. Dass die grüne Fraktion zunächst ein Touristik-Gesamtkonzept für die Taunusgemeinde auf den Weg bringen wolle, sprenge jeden Rahmen. „Die Rodelbahn-Entwicklung ist ein gutes Beispiel, wie überfordert kommunale Entscheidungsträger in dieser komplexen Angelegenheit sind“, sagt Kinkel. Sachkenntnis könne nicht bei jedem Parlamentarier vorausgesetzt werden.

Vorprüfung gefordert

Der Schmittener Rathauschef plädiert bei künftigen Fällen – „bevor in den Ortschaften die Diskussionen beginnen“ – für eine Vorprüfung von übergeordneten Stellen. „Dort müsste zuerst geklärt werden, ob ein Projekt überhaupt realisiert werden kann“.

Vor wenigen Tagen hat der Ausschuss für Kultur, Freizeit und Tourismus entschieden, dass es den von den Grünen beantragten „Runden Tisch“ nicht geben wird. Politiker sowie Verbände und Gruppierungen sollten beraten. Noch aber existieren keine konkreten Planungen, über die debattiert werden könnte. Als Ersatz wurde eine so genannte Expertenrunde ins Spiel gebracht. Um deren Zusammensetzung streiten sich derweil die Geister. Widerstand ist zu erwarten.

Marcus Kinkel – das macht er unmissverständlich klar – wird weder mit den Bürgerinitiativen diskutieren noch am Expertentisch Platz nehmen. „Als Leiter der Verwaltung erfülle ich meine Aufgabe und erstelle eine geänderte Vorlage, die Gemeindevorstand und Parlament zur Verfügung gestellt wird – mehr nicht“. Viele der angefragten Details seien auch Gegenstand des Bauleitverfahrens.

Und Rodelbahn-Investor Wiegand? Sitzt er auf heißen Kohlen, zum Absprung bereit? Der Mann, so Kinkel, sei ganz entspannt. „Der kennt ja das ganze kommunalpolitische Kasperletheater“. Im Grund sei alles ganz einfach: Entweder es komme zum Bau der Sommerrodelbahn am Feldberg – oder nicht.

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