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Fahnen der rechten Szene wehen am 15.07.2017 in Themar (Thüringen).
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Fahnen der rechten Szene wehen am 15.07.2017 in Themar (Thüringen). (Archivfoto)

Rechtsrock-Festival

Kommunalwahl in Hessen – AfD-Kandidat trifft Neonazis auf Rechtsrock-Konzert

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Sascha Herr kandidiert für die AfD im Hochtaunuskreis in Hessen zur Kommunalwahl. Ein Foto belegt, dass er 2017 ein Rechtsrock-Festival in Thüringen besucht hat.

Hochtaunuskreis – Kurz vor den hessischen Kommunalwahlen muss die AfD Hessen sich erneut mit Kontakten eines ihrer Kandidaten in die rechtsextreme Szene befassen. Sascha Herr aus Schmitten steht auf Listenplatz 2 der AfD im Hochtaunuskreis, er hat gute Chancen, in den Kreistag einzuziehen. Der 41-jährige Angestellte ist Beisitzer im Vorstand des Kreisverbands Hochtaunus und zuständig für Wahlkampf- und Veranstaltungsplanung.

Kommunalwahl im Hochtaunuskreis: Ein Kandidat der AfD war auf einem Rechtsrockfestival

Seit einigen Tagen muss Herr sich unangenehme Fragen nach seinen Kontakten in die Neonaziszene gefallen lassen. Ein Autor des antifaschistischen Magazins „Lotta“ hatte auf Twitter ein Foto veröffentlicht, das Herr im Juli 2017 bei der Anreise zum Rechtsrockfestival „Rock gegen Überfremdung“ im thüringischen Themar zeigt. Auf dem von dem Neonazi Thommy Frenck organisierten Festival spielten einschlägige Bands wie „Stahlgewitter“, „Sleipnir“ und „Die Lunikoff Verschwörung“, 6000 Rechtsextreme waren dabei. Auf dem Foto trägt Herr ein T-Shirt mit einer schwarz-weiß-roten Reichsfahne und als Halskette einen „Thorshammer“, ein mythisches Symbol, das in der rechten Szene beliebt ist.

Ein zweites Foto zeigt Sascha Herr im Jahr 2016 mit sechs Neonazis, die auf dem Weg zu einem konspirativ organisierten Rechtsrockkonzert im schweizerischen Unterwasser waren. Bei diesem Konzert feierten 5000 Neonazis, unter anderem spielte die Band „Erschießungskommando“, die in einem Lied Mordfantasien gegen die thüringische Landtagsabgeordnete Katharina König (Die Linke) schildert.

Sascha Herr tritt bei der Kommunalwahl für die AfD an – er hatte schon Kontakt zu Neonazis

Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau leugnete Herr nicht, auf den Fotos abgebildet zu sein. Er habe aber nichts mit der Neonaziszene und ihrer Ideologie zu tun, sagte er. Die Männer, mit denen er 2016 Richtung Schweiz gereist sei, seien „lockere Jungs“, die er teils noch lose aus seiner Schulzeit kenne. In der Tat seien einige von ihnen Neonazis, er kenne sie aber nur von Dorffesten und teile ihre politischen Ansichten nicht.

Er selbst sei 2016 nicht auf dem Konzert in Unterwasser gewesen, sondern habe sich vorher von der Gruppe getrennt und sei nach Konstanz gereist, sagte Herr. Seine Bekannten hätten ihn aber 2017 mit nach Themar genommen. Zu der Zeit sei seine inzwischen verstorbene Frau schwer krank gewesen, er habe sich ablenken wollen. Das T-Shirt mit der Reichsfahne habe ihm einer seiner Bekannten gegeben, damit er vor Ort optisch nicht auffalle. Nach 15 Minuten im Festzelt habe er das Rechtsrockkonzert aber schon wieder verlassen und danach im Auto gewartet, sagte Herr. „War nicht meine Welt.“

Kommunalwahl 2021 in Hessen: AfD-Kandidat Herr ohne „Berührungsängsten“ bei Rechtsextremen

Grundsätzlich pflege er keine Kontakte in die rechtsextreme Szene, der Nationalsozialismus sei „die furchtbarste Zeit, die wir je erlebt haben“, beteuerte Herr. Er kenne aber keine Berührungsängste und habe sich nichts dabei gedacht, seine Bekannten zu begleiten. „Ich bin der Meinung, man muss sich alles mal angucken dürfen“, sagte Herr.

Der hessische AfD-Landesvorsitzende Robert Lambrou teilte der FR auf Anfrage mit, der Landesvorstand werde sich am kommenden Montag, also erst nach der Kommunalwahl, mit Sascha Herr und den nun veröffentlichten Fotos befassen. Der Landesvorstand tage immer am Montagabend, hieß es. (Hanning Voigts)

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