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Schmerzensgeld für Tritt in Hoden

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Bad Homburg Oberurselerin randaliert vor Jugendclub in Nordhessen

Von KLAUS NISSEN

Wer wagt es, einem hundert Kilo schweren Security-Mann zwischen die Beine zu treten? Eine zierliche 20-Jährige aus Oberursel hat es getan. Eine Schwellung des linken Hodens attestierte der Arzt später dem 35-jährigen Türsteher. Der Tritt habe ihn tagelang gequält, sagte der Nordhesse gestern als Zeuge vor dem Bad Homburger Amtsgericht. Nennen wir ihn Jens.

Die wegen vorsätzlicher Körperverletzung Angeklagte erschien im schwarzen Business-Hosenanzug mit rosa Bluse. Nennen wir sie Jenny. Sie hat lange, sorgfältig gekämmte Haare, ein schönes Gesicht und ein ruhiges Auftreten. Sie habe am 20. Januar ihren Vater in Nordhessen besucht, berichtete Jenny. Abends sei sie mit einem ehemaligen Klassenkameraden ausgegangen - zur Ein-Euro-Party in Wolferode bei Stadtallendorf. Die meisten Getränke kosteten da nur einen Euro. Sie habe drei oder vier Apfelwein getrunken. "Ich war leicht angeschwipst." Nach einem Aufenthalt im Freien wollte sie gegen 4.40 Uhr in den Jugendclub zurück, um die letzten Getränkebons in Geld zurückzutauschen.

Andere Mädchen beschimpft

Doch die Bon-Kasse war schon geschlossen, erzählten Zeugen vor Gericht. Und die drei Security-Leute hatten Anweisung, niemanden mehr einzulassen. "Da fing sie an rumzukrakeelen", so der 35-jährige Jens. "Sie hat andere Mädchen aufs Derbste beschimpft." Die vor der Tür stehenden Damen seien von der Oberurselerin als "Bauerntrampel" und "Thekenschlampen" bezeichnet worden. Jens: "Ich hab mich zwischen die Mädchen gestellt. Da hat sie mir in die Weichteile getreten." Der Security-Mann stieß Jenny vor die Brust, so dass sie in eine Hecke taumelte. Daraufhin habe die Oberurselerin gezetert, Jens habe sie an die Brust gefasst. Sie rief die Polizei und zeigte Jens wegen sexueller Belästigung an.

Die Justiz klagte Jenny wegen des Tritts an. Richterin Barbara Schramm sah gestern nur eine geringe Schuld und stellte das Verfahren ein. Den Verdienstausfall und die Anreise der fünf Zeugen aus Nordhessen bezahlt der Staat. Jenny zog die Anzeige gegen Jens zurück. Und zahlt ihm 250 Euro Schmerzensgeld.

Jens hatte die Hodenverletzung übrigens ohne Strafanzeige hingenommen. "Ich bin Türsteher seit 15 Jahren - da erlebt man so einiges", sagte er und hob beinahe sein Sweatshirt, um dem Gericht die Stichnarben im Oberkörper zu zeigen. Nach Jennys Tritt habe er genug gehabt: "Die Jugendlichen werden als aggressiver. Ich arbeite jetzt wieder als Kfz-Mechaniker."

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