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Das Schloss ist marode

Bad Homburg Wenig Geld für Restaurierung

Von FRANZISKA SCHWEITZER

Ich könnte Sie durch jeden Raum führen und Sie würden überall etwas entdecken", sagt Karl Weber, der Direktor der Staatlichen Schlösserverwaltung Hessen. Und tatsächlich - im Bad Homburger Schloss sind Risse in Decken und Wänden zu erkennen, von Fenstern und Fassaden rieselt Farbe und Putz zu Boden.

Die FR unternimmt mit Karl Weber einen Rundgang durch die seit Wochen geschlossenen Wohnräume von Kaiser Wilhelm II. und Auguste Victoria. Im einem Teil des Wilhelmsflügels laufen bereits Vorbereitungen zu den Restaurierungen, während in einigen anderen Räumen noch die Porzellanausstellung zu sehen ist.

Karl Weber sagt: "Das Schloss braucht dringend eine Grundsanierung. Sie müssen bedenken, dass dies ein ziemlich kompliziertes, zig Male umgebautes Fachwerkschloss ist. Hier ist seit ungefähr hundert Jahren nichts mehr im größeren Stil gemacht worden." Jetzt müsse eben die gesamte Elektrik erneuert, Wände und Decken grundsaniert, die Fassaden neu verputzt und alles neu gestrichen werden, sagt Weber.

"Wir müssen alles tun, um dieses Schloss zu erhalten, denn hier sind die einzigen authentischen Räume Kaiser Wilhelms II. Wir können genau rekonstruieren, wie hier alles ausgesehen hat." Des Kaisers Bad, sein Bett, sein Wasserklosett, alles ist noch original erhalten, aber abgenutzt und glanzlos. Die Restaurierung muss stückchenweise erfolgen, Raum für Raum. Was sie kostet? "Ich kann noch keine genauen Zahlen nennen, weil wir es noch nicht richtig durchgerechnet haben, aber ich schätze mal, dass sich die Restaurierungskosten auf etwa 45 Millionen Euro belaufen." Zurzeit hat Weber jährlich 30 000 bis 40 000 Euro für Renovierungsarbeiten im Etat.

Die Kronleuchter wackeln

In dem gut 320 Jahre alten Gebäudekomplex ist ganz offensichtlich eine Menge zu sanieren. ,"Sehen Sie? Wenn jemand über unseren Köpfen läuft, wackeln sogar die Kronleuchter", sagt Karl Weber und deutet auf die schweren Kristalllüster an der Decke. Nach wenigen Augenblicken wird deutlich, was er meint. Gedämpfte Schritte sind von oben zu hören, und prompt fangen die Lüster an zu wackeln und zu klirren. "Die Sicherheit ist nicht so, wie sie sein sollte. Es ist alles nicht so stabil, wie wir es uns wünschen", gibt Karl Weber zu. Man müsse die Decke von oben öffnen, um zu schauen, ob sie noch tragfähig genug ist. Die Sicherheit sei ein großer Kostenpunkt auf der Rechnung.

Das erste Bauwerk an der Stelle des Schlosses war ein leichter Pfostenbau, der anhand von C14-Datierungen in die Zeit um 1180 eingeordnet werden kann. Dieses Bauwerk brannte nach kurzer Nutzungszeit ab und wurde durch ein Gebäude in Fachwerktechnik ersetzt. Es hatte rund 100 Jahre Bestand, bis es ebenfalls abbrannte und in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhundert durch eine aus Stein erbaute Burg ersetzt wurde. Aus dieser Zeit stammt auch der Bergfried, der Weiße Turm.

1680 ließ Landgraf Friedrich II. die Burg abreißen, nur der Weiße Turm blieb erhalten. Von 1680 bis 1685 ließ er dann das jetzige Homburger Schloss errichten, ebenfalls in Fachwerk-Bauweise. Unter Wilhelm II wurden viele Umbauten vorgenommen: Er ließ Bäder mit Wasserklosetts einrichten, elektrische Leitungen verlegen, das Telefonzimmer einbauen und mehrere Räume zusammenlegen. 1901 wurde die so genannte Romanische Halle an den Bibliotheksflügel angebaut.

Wann das Schloss wieder in voller Pracht zu besichtigen sein wird, kann Weber nicht sagen.

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