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Schlepper im Schnee

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Bagger in der Königsteiner Straße
Bagger in der Königsteiner Straße © Monika Müller

Wohin mit der weißen Last? In Oberursel rücken jetzt schon die Landwirte und Firmen zum Räumen an.

Von Jürgen Streicher

Jede Schippe schafft ungefähr 1,5 Kubikmeter von dem bislang allseits erwünschten weißen Stoff fort. Vielerorts ist er aber längst braun und gar nicht mehr schön. Selbst weiß ist er inzwischen nicht mehr gern gesehen. Die Schippe sitzt vorne am Teleskop-Radlader von Andreas Jäger, fünf Meter hoch kann er damit die braun-weiße Pampe auftürmen. Oder sie in den Kippanhänger füllen, den Florian Bickert mit einem schweren Schlepper zieht. Beide kommen vom Steinbacher Fohlenhof. Mindestens mannshoch sind die Reifen des Schleppers. Woran herkömmliche Autos in diesen Tagen scheitern, meistert er spielend.

Um der Schneemassen Herr zu werden, hat sich der städtische Bau & Service (BSO) Hilfe organisiert: Firmen, die sonst im Straßen- und Tiefbau tätig sind, und Ortslandwirte, die das passende Werkzeug haben, um den knappen BSO-Fuhrpark mit drei großen Schneeräumern und fünf kleinen Fahrzeugen aufzustocken. Sechs Trupps sind seit gestern auch in den Ortsteilen unterwegs, „wir sind überall“, sagt der stellvertretende BSO-Betriebsleiter Gerhard Behrends.

Andreas Jäger und Florian Bickert sind im Wohngebiet westlich der Altkönigstraße in Höhe des Schwimmbads im Einsatz. Sie räumen den Bewohnern den Weg frei, vor allem auf Gefällstrecken. Und müssen sich statt Dank trotzdem noch Beschwerden anhören, weil jemand mal nicht an den Räumfahrzeugen vorbeikommt. Zwei Dutzend Kubikmeter Schnee fährt Florian Bickert mit jeder Hängerladung weg, eine Sisyphusarbeit bei bis zu 40 Zentimeter Schneehöhe. Der Berg am Schwimmbad-Parkplatz wächst stündlich.

Beschwerden statt Dank

Der Epinayplatz in der City ist zur Schnee- und Eiswüste geworden. Meterhoch sind die Berge zwischen Glaspyramide und zugeschütteten Sitzbänken. Auch der halbe Rathausplatz sieht so aus. „Wir suchen verzweifelt Plätze“, sagt Gerhard Behrends. Dafür ist die Vorstadt wieder frei, kahl, nackt, ohne jeglichen Schneezauber beim vorweihnachtlichen Einkauf. „Hässlich“, sagt einer im Vorbeigehen. So war es gewünscht. „Wir kriegen Beschwerden, wenn wir kommen und wenn wir nicht kommen“, resümiert Krisenmanager Behrends. Die Telefone beim BSO stehen seit Tagen nicht still.

Aber es geht voran. In Bommersheim schiebt Landwirt Georg Braun Schnee, was das Zeug hält, in Weißkirchen Berufskollege Richard Bickert. Bis Heiligabend soll die Stadt wieder befahrbar sein, neuer Schnee ist schon angesagt. Um die Zuteilung der „Baustellen“ kümmert sich Christoph Pestinger. Er schickt Andreas Jäger und Florian Bickert nach dem Einsatz im schicken Wohnviertel zurück auf die Altkönigstraße.

Noch ist dort keine Bushaltestelle freigeschaufelt, die Fahrgäste müssen über Schneeberge steigen, der Begegnungsverkehr ist nur für Pkw möglich. „Die Busse müssen aneinander vorbeikommen“, gibt Pestinger vor. Wenigstens das soll laufen an den Weihnachtstagen, wenn die Landwirtshilfe dem BSO nicht mehr zur Verfügung steht. Ausweichbuchten in Sichtweite sollen helfen.

Damit die Buchten nicht als Privatparkplätze missbraucht werden, müssen Halteverbotsschilder aufgestellt werden. Gerhard Behrends greift sich bei solchem Verhalten an den Kopf und zweifelt genauso am Verstand derer, die den Schnee vom Bürgersteig auf die Straße schütten. Einen Dankesanruf für den Einsatz seiner Leute hat er bisher noch nicht bekommen.

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