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Die alte Melita-Fabrik soll saniert werden.
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Die alte Melita-Fabrik soll saniert werden.

Sanierung der Melita-Fabrik

Schlafen über dem Melita-Keller

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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Neue Nutzung des alten Essig-Standortes / Ende einer Bad Homburger Tradition

Von der ehemaligen Melita Fabrik ist nichts mehr übrig. Wo über 150 Jahre lang Essig in verschiedenen Sorten produziert wurde, entsteht eine Wohnanlage mit Tiefgarage. Auf dem 2300 Quadratmeter großen Grundstück sollen Ende dieses Jahres drei Gebäude stehen, die neun Eigentumswohnungen Platz bieten.

„Ein hochwertiges Ensemble“, sagt Gerhard Blum, Geschäftsführer von Bernhard Bauträger. Das Friedrichsdorfer Unternehmen hat das Areal mitsamt der alten Fabrik von Sven Rothenberger erworben, der Melita im Frühjahr 2010 von den letzten Betreibern übernahm. Derzeit werden auf dem Areal der Kaiser-Friedrich-Promenade 12 die Versorgungsleitungen verlegt. Blum spricht von einem „anspruchsvollen Abriss“ und einer schwierigen Demontage der alten Essigtanks.

Am Ende, wenn die zwischen 90 und 210 Quadratmeter messenden Räumlichkeiten bezugsfertig sind, soll ein „parkähnliches Gelände“ die Anlage umrahmen. Fünf Wohnungen, so Blum, seien schon verkauft.

Die Zufahrt soll an jenem dreigeschossigen Haus vorbei führen, das 1857 von dem Kirdorfer Franz Sauer entworfen wurde und sich weiter im Besitz von Rothenberger befindet. Es präsentiert sich heute rotgetüncht und in marodem Zustand. Der Kontrast zu der benachbarten und renovierten Doppelhaushälfte ist frappierend. Eigentümer Rothenberger will das denkmalgeschützte und leer stehende Gebäude von Grund auf sanieren. Wenn die neuen Häuser im Hinterhof ihrer Bestimmung übergeben werden, sollen die Rundbögen, Friese und klassizistischen Elemente in frischem Glanz aufleuchten. In dem repräsentativen Bau war das Büro von Günther Weymar, letzter Betreiber der Melita-Produktion, untergebracht. Ende 2009 war Schluss mit „Kräuterauslese“ und „Gurkengold“ – der Betrieb insolvent. Dressurreiter Rothenberger verkaufte die Marke Melita, behielt aber die Rezepturen für Senf und Soßen. Ob er in den Gourmet-Markt einsteigt, ist ungewiss.

Mit der neuen Nutzung des Standorts Promenade Nr. 12 endet eine lange Tradition Homburger Essig-Herrlichkeit. Schon 1843 hatte Fritz Scheller in Dornholzhausen begonnen, Wein und Buchenspäne zu vergären. Zehn Jahre später wurden Brennerei und Likörfabrikation in die damalige Obere Promenade verlagert.

Im Juli 1934 spaltete sich die Fritz Scheller Söhne AG auf – die Essigmeister gingen eigene Wege und machten unter Leitung der Gebrüder Weymar die Marke Melita zu einem deutschen Topseller. Täglich gingen bis zu 3000 Flaschen in den Handel. Die Kellergewölbe boten beste Voraussetzungen zur Lagerung des würzigen Gutes.

Aus dem Dornholzhausener Stammhaus kam auch Wilhelm Scheller, der 1886 die „W. Scheller & Cie. Essig- und Senffabrik“ aus der Taufe hob. Das geruchsintensive Handwerk wurde nahe des Schlosses, in Haus Löwengasse 15, betrieben. Hier, auf dem Gelände des heutigen Sinclair-Hauses, reifte der seinerzeit berühmte „Frauenlob“-Kräuteressig. Die Fabrikhalle, von einem Schornstein gekrönt, zog sich quer zur Dorotheenstraße hin und bot Platz für die gewaltigen Kessel. In dem Wohnhaus residierten um die vorletzte Jahrhundertwende das Kreisbauamt und der Chef der Homburger Polizei. Nach etlichen Besitzerwechseln wurde die Produktion im Jahre 1958 von dem Unternehmen Richard Hengstenberg übernommen – der Umzug nach Darmstadt besie-gelte sieben Jahre später das Essig-Schicksal in der Löwengasse.

Das saure Imperium innerhalb der Kurstadt komplettierte Carl Scheller, der ab 1912 verschiedene Essigsorten für die Diätküche herstellte. Seine Citrovin-Fabrik ging schon 1923 in der Chemisch-Pharmazeutischen AG auf.

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