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Auf Schienen in die Moderne

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Von: Olaf Velte

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Ein Schienenbus fährt am 14. November 1984 nach Wehrheim ein.
Ein Schienenbus fährt am 14. November 1984 nach Wehrheim ein. © Andreas Christopher

Zwei Jahrzehnte Taunusbahn: Ein neues Buch der Bahnforscher Andreas Christopher und Walter Söhnlein würdigt das Jubiläum ausführlich.

Der Name war nicht neu. Schon zur Mitte des 19. Jahrhunderts und in den 1920er Jahren ist „Taunusbahn“ ein Begriff in Eisenbahnerkreisen. Mit dem heute unter diesem Namen firmierenden Streckenabschnitt hatten die Vorläufer jedoch keine Berührungspunkte. Was sich auf 36 Kilometern Gleislänge von Friedrichsdorf bis Brandoberndorf bewegt, besteht seit nunmehr zwanzig Jahren. Ein Jubiläum, das mit der Neuerscheinung „Erfolgsgeschichte Taunusbahn“ angemessen gewürdigt wird.

Die Bahnforscher Andreas Christopher und Walter Söhnlein haben sich bei ihrer vorbildlichen Darstellung nicht allein auf die entscheidenden Jahre der Realisierung beschränkt. Schon der langwierige Kampf um die Erhaltung des Schienenwesens im hinteren Taunusgebiet hätte ein eigenes Buch gefüllt. Es war kein leichtes Unterfangen, bis der Hochtaunuskreis – als damals erster Landkreis in Deutschland – im Juli 1989 die Eisenbahnstrecke von der Deutschen Bundesbahn erwerben konnte. Für Grundstücke und Trasse zwischen Friedrichsdorf und Grävenwiesbach waren 2,8 Millionen Mark aufzubringen. Ein Preis, mit dem die Stilllegung des fast hundert Jahre alten Netzes verhindert wurde.

11.000 Fahrgäste pro Tag

Was in dem Kapitel „Die Schiene soll Rückgrat des Verkehrs bleiben“ erinnert wird, hat zeitgemäße Parallelen: Sparpläne, zerstörte Infrastruktur, Suche nach alternativen Konzepten. Vor zwei Jahrzehnten ein verkehrspolitisches Wagnis – heute ein Zukunftsmodell mit über 11 000 Fahrgästen pro Tag.

Dabei belassen es Söhnlein und Christopher jedoch nicht. Unterstützt von zahlreichen Lokalhistorikern und in Zusammenarbeit mit dem Grävenwiesbacher Geschichtsverein beginnen sie ihre Reise im Jahre 1846. Was damals bereits diskutiert wurde, erlebte 54 Jahre später seine Verwirklichung: Der erste Zug dampfte von Frankfurt nach Homburg. Hier nimmt eine Geschichte ihren Ausgang, die sich zur einer Jahrhundert-Schau ausweitet. Wie, zum Beispiel, der östliche Taunus auf Schienen in die industrialisierte Moderne fuhr und sich dem abgedrängten Bauernland wirtschaftlich neue Horizonte eröffneten.

Güterverkehr verschwunden

Eine Bahnverbindung wird schon 1871 heftig ersehnt. „Es ist unglaublich und schauderhaft, was die armen Weber von Anspach, was die Metzger und Viehhändler bei Schnee und Regen ausstehen, wenn sie ihre Ware über die Homburger Höhe tragen“, so ein Befürworter. Im Mai 1909 können die ersten Eisenbahnzüge zwischen Homburg und Weilmünster verkehren. Diverse Unterführungen und die 114 Meter reichende Talbrücke bei Mönstadt müssen dazu erbaut werden. Verbindungen nach Weilburg und Wetzlar werden möglich. Güterzüge sind schon seit den Anfangstagen auf der Strecke. Ein Grund, dass es mit dem Köpperner Quarzitwerk rasant bergauf geht. Der Abtransport geschieht vornehmlich mit Waggons, in dem Steinbruch rangieren Diesellokomotiven auf Schmalspurgleisen.

Heute ist der Güterverkehr weitgehend verschwunden. Dass noch immer Personen durch die Wald- und Wiesenlandschaften des hinteren Taunus fahren können, ist Verdienst jener Wagemutigen, die vor einem Vierteljahrhundert den Verkehrsverband Hochtaunus aus der Taufe hoben.

„Erfolgsgeschichte Taunusbahn“: viele Fotos und Tabellen; 29,50 Euro; ISBN 978-3-929082-31-9.

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