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Schatzgräber am Fahrborn

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Von: Olaf Velte

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Ein römischer Soldat begrüßt die Besucher der Saalburg bei Bad Homburg.
Ein römischer Soldat begrüßt die Besucher der Saalburg bei Bad Homburg. © dpa

Wandern auf den Spuren der Vergangenheit: Mit dem Historiker Andreas Mengel kann man im Saalburgwald auf geschichtliche Exkursion gehen. Von Olaf Velte

Der Wald steckt voller Geschichte. Geblieben sind oft nur Löcher im Boden, steinerne Wälle und merkwürdige Landschaftsnamen. Auf den ortsgeschichtlichen Wanderungen des Bad Homburger Stadtarchivs werden diese Zeichen am Wegesrand aufgesucht. Über achtzig Menschen haben sich am Samstagmorgen vor dem Gotischen Haus eingefunden, um gemeinsam mit den Historikern ins Gelände zu ziehen. Andreas Mengel, der die Wanderung anführt, spricht von einer "Rekordbeteiligung". Zum ersten Mal soll es durch die östlich der B456 gelegenen Waldgemarkungen gehen.

Zweimal im Jahr laden die Archiv-Mitarbeiter zu der mehrstündigen Veranstaltung ein, jeweils zu Frühlings- und Herbstbeginn. Die Teilnahme ist kostenlos, festes Schuhwerk angesagt. "Etwa 700 Leute haben sich zu den mittlerweile elf Rundgängen eingefunden", sagt Mengel. Er versäumt es nicht, mehrfach die geplanten Routen abzugehen und den Teilnehmern historisches Karten- und Informationsmaterial an die Hand zu geben. Seit 1997 betreut der Wissenschaftler den Lese-Saal des Stadtarchivs und die zeitgeschichtliche Dokumentation. Als gebürtiger Oberstedtener kennt er die Schauplätze der regionalen Historie genau. "Die Entwicklung der Taunus-Landschaft ist ein spannendes Feld." Beruf und Berufung finden hier aufs Schönste zusammen.

An der Karlsbrücke muss die viel befahrene Bundesstraße unterquert werden. Mengel spricht über den Ursprung der "Saalburgchaussee", die schon 1819 als "Post- und Commercialstraße" ausgewiesen wurde. Hundert Jahre später beschwerten sich dann die Benutzer des nahe gelegenen Weberpfades über "Staubbelästigungen durch die Saalburgstraße".

In unmittelbarer Nähe der Brücke steht ein großes Haus. Es befindet sich im städtischen Besitz und beherbergte bis vor wenigen Jahren die Homburger Waldarbeiter. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs erbaut, war es bis Mitte der 1950er Jahre in Familienhand. Wegewärter Heimann eröffnete hier das Café-Restaurant "Zur Karlsbrücke", zu dem auch eine Gartenwirtschaft gehörte. "Fremdenzimmer mit voller Pension" wurden ebenso geboten wie "aufmerksame Bedienung" und "Bindings Bier".

Das hätte sich die Wandergruppe nach einer Stunde stetigen Aufstiegs auch gewünscht. Nachdem die Gruppe die aufgeblühte Obstbaumzeile des Kirdorfer Feldes und das Kulturdenkmal "Steinerne Ruhe" hinter sich gelassen hat, ist die 500 Jahre alte Fahrborn-Eiche erreicht. Vor dem Bau der Chaussee verlief hier eine alte Straße, die sich bis ins Usinger Land zog. Auch trafen sich die Grenzen der Hohemarksgemeinden Friedrichsdorf, Seulberg und Gonzenheim an diesem Platz.

Kaum zu glauben, dass in diesem Gelände zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Bodenschätzen gegraben wurde. Der Landgraf hoffte damals auf wertvolle Erze. Daraufhin gründete sich eine Bergbau-Gesellschaft umgehend. Im feuchten Fahrborn-Bezirk standen die Stollen bald unter Wasser, und ein teures Hebewerk sollte installiert werden. Nach vier Jahren war der Rausch beendet - die Gesellschaft bankrott.

Höher führt die Wanderung, über enge Pfade und vom Sturm gefällte Fichten. Der keltische Ringwall "Gickelsburg" befindet sich auf dem Kamm in 471 Meter Höhe. Andreas Mengel holt noch einmal seine Manuskripte aus dem Rucksack, bevor es am "Fröhlichen Mannskopf" vorbei zum Landgasthof Saalburg und zurück in die Gegenwart geht.

Ergänzend zu seiner Arbeit im Stadtarchiv bietet der 1960 geborene Historiker auch VHS-Kurse zu alten Handschriften an. "Da machen wir beim Lesen der kopierten Dokumente oft Entdeckungen." In seinem Heimatort Oberstedten hat er den Geschichts- und Kulturkreis mitbegründet, die Tischtennis-Jugendabteilung leitet er seit 28 Jahren. Sein geschichtlicher Blick hat ihn gelehrt, "kein Ereignis isoliert zu betrachten". Vorschnelles Urteilen ist ihm suspekt.

Am 25. September soll die nächste Wanderung zu dem Bleibeskopf und den Hirschsteinen führen. Und wie immer wird Andreas Mengel auch abseits der Wege nach Spuren der Vergangenheit suchen.

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