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Schafe als mögliche Sex-Objekte

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Von: Götz Nawroth-Rapp

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Justitia ist wachsam.
Justitia ist wachsam. © FR/Rutkowski

Ein Schaf unter den Arm geklemmt, mit einem Bein schon über den Zaun der Koppel gestiegen, bereit zur Flucht: Ein Tierdieb wird von der Besitzerin einer Schafherde gestellt. Vermutet wird ein sexuelles Motiv, denn der Mann war schon einmal auffällig gewesen.

„Lassen Sie mein Schaf los!“ Eine 46 Jahre alte Grävenwiesbacherin traute ihren Augen nicht. Im Sommer hatte sie einen 54-Jährigen auf frischer Tat ertappt. Der hatte ein Bein schon zum Verlassen der Koppel über den Zaun geschwungen, unter den Arm geklemmt hielt er ein etwa 25 Kilo schweres Kamerunschaf der Frau. Der Mann ließ das Muttertier sofort los und es plumpste zu Boden. Dann ging er schnellen Schrittes davon. Dem Schaf blieb diese Möglichkeit nicht, der Täter hatte die Hinterläufe mit einem seiner Schnürsenkel zusammengebunden.

Der Fall, der sich am Abend des 9. Juli so zugetragen hatte, konnte schnell aufgeklärt werden. Gestern saß der verhinderte Schafdieb auf der Anklagebank im Bad Homburger Amtsgericht und gab alles zu. Allein zum Motiv schwieg er beharrlich. Eine „fremde bewegliche Sache“ mitzunehmen, in dem Fall das Tier – das ist Diebstahl. Unbefugt über den Zaun auf die Koppel zu steigen, stellt einen Hausfriedensbruch dar. Schwerer noch wiegen aber wohl die furchtbaren Qualen, die das Tier erlitt. Das Kamerunschaf lag fünf bis zehn Minuten auf dem Rücken, schon zwanzig Minuten können tödlich sein, weiß die Besitzerin zu sagen.

Der Pansen, einer der Schafsmägen also, bläht in Rückenlage durch die Verdauungsgase auf. Im vorliegenden Fall hatte das Schaf schon verdrehte Augen, was mit Fotos belegt werden konnte. Es überlebte den Vorfall, war aber nach Angaben der Besitzerin über Monate nicht mehr ganz beieinander, wirkte verstört und magerte ab.

Doch warum will jemand ein Schaf stehlen, dessen rein materieller Wert bei rund 70 Euro liegt? Der Angeklagte war nach eigenem Bekunden auf dem Weg zum Bahnhof, kürzte den Weg über ein Feld ab und landete da an der Koppel. Zuvor habe der Gebäudereiniger Alkohol getrunken, den er sich bei einem Supermarkt besorgt habe.

Tier mit Gummipenis gequält

Der Mann, der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält und ansonsten auf staatliche Leistungen angewiesen ist, ist seit 1979 bereits 16 Mal mit kleineren Delikten aktenkundig geworden und verbüßte unter anderem wegen eines Raubes auch schon eine Haftstrafe von rund vier Jahren.

Ins Auge fielen Richter und Staatsanwältin eine Verurteilung in Usingen vor rund 12 Jahren. Der Mann hatte sich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in Neu-Anspach an insgesamt drei weiblichen Schafen vergangen und sie dabei mit einem Gummipenis malträtiert. Die Tiere erstickten, weil ihnen die Mäuler mit Klebeband zugebunden wurden. Die Staatsanwältin wiederholte mehrfach die Frage, ob das etwas mit dem aktuellen Fall zu tun habe. Sie vermutete eine „Impulstat“. Doch der Angeklagte sagte immer wieder, dass er nicht wisse, was er mit dem Tier eigentlich wollte.

Wegen der einschlägigen Vorstrafe forderte die Staatsanwältin eine sechsmonatige Bewährungsstrafe. Zudem solle der Mann sechs Psychotherapie-Sitzungen absolvieren, schlug sie vor.

Der Richter ging im Urteil über diese Forderung noch hinaus. Elf Monate auf Bewährung, dazu zwölf Therapiesitzungen und 500 Euro, die an einen Tierschutzverein zu zahlen sind. Die Therapie sei nötig, die latente Neigung zum Schaf sei „im Kopf noch drin“. Das Gericht geht von einer spontanen Tat aus, die allerdings nicht im Vollrausch begangen werden konnte. Ein Schaf mit einem Schnürsenkel zu fesseln, dazu braucht es motorisches Geschick. Immerhin sei so etwas wie Reue beim Angeklagten vorhanden. Oder, wie der Richter es nannte: „Es gibt eine Einsicht, dass das voll daneben war.“

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