1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Saufen bis zum Blackout

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Das Amtsgericht Bad Homburg hat einen 43-jährigen Frankfurter wegen Widerstand gegen Polizeibeamte zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Von Desirée Brenner

Im Frühjahr 2009 hatte der Angeklagte, der regelmäßig Verwandte in Oberursel besuchte, in einem Bus im Nordwestzentrum, in einer Neu-Anspacher und in einer Oberurseler Wohnung stark alkoholisiert massiven Widerstand gegen Polizisten geleistet. Die sechs Beamten berichteten vor Gericht, der Angeklagte habe sie beleidigt, bespuckt und getreten. Einem der Polizisten hatte der Mann die Mittelhand gebrochen.

Der 43-Jährige muss laut Auflagen des Gerichts eine Gruppentherapie beginnen, die Ausgangsregelungen seines Betreuers befolgen und abstinent leben. Sollte er während der zweijährigen Bewährungszeit in der Suchtpräventionseinrichtung des hessischen Diakoniezentrums Herzberghaus in Breitenbach rückfällig werden, droht die Einweisung in eine Entzugseinrichtung.

Seit 30 Jahren gilt der 43-Jährige als depressiv. Seit einem halben Jahr lebt er freiwillig im Herzberghaus, um seine Sucht behandeln zu lassen. In der Verhandlung hörte er nach eigenen Angaben zum ersten Mal, was er angerichtet hatte. „Ich habe null Erinnerung und kann es kaum glauben“, sagte der Mann.

Vergessen hatte er auch einen Vorfall in Oberursel, wo seine Verwandten die Polizei verständigten. Der Angeklagte hatte in der Wohnung randaliert, Spiegel zerstört und Möbelstücke umgeworfen. Seine siebenjährige Nichte musste das miterleben. Nach Aussagen eines Polizisten hat sie geweint, als die Beamten eintrafen. Laut Gutachten hatte der 43-Jährige bei den Taten jeweils zwei bis dreieinhalb Promille Alkohol im Blut.

Der Angeklagte wirkte vor Gericht angespannt, er zeigte Reue. Besonders die Gewalt gegen eine Polizistin nahm ihn mit. Ein Bekannter aus Neu-Anspach hatte nach einem Streit im April die Polizei gerufen, weil der 43-Jährige seine Wohnung nicht verlassen wollte. Mehrfach hatte er die Beamtin als „Bullenhure“ betitelt und ihr durch Fußtritte Prellungen sowie einen Bluterguss an der rechten Hand zugefügt. Ihrem Kollegen brach er die Mittelhand. Dazu sagte er: „Ich bin fassungslos. Ich schäme mich sehr.“

Die Richterin warnte, er stehe jetzt vor einer roten Linie. Wenn er diese überquere und weiterhin trinke, laufe er Gefahr, nicht nur sein Erinnerungsvermögen, sondern seine Freiheit zu verlieren.

Auch interessant

Kommentare