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Satte Geldstrafe nach Ohrfeige

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Von: Fabian Böker

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Die Riesenrutsche im Freizeitpark Lochmühle. (Archivbild)
Die Riesenrutsche im Freizeitpark Lochmühle. (Archivbild) © Rolf Oeser

Ein selbsternannter Ordnungshüter gibt im Freizeitpark Lochmühle einer Frau eine Ohrfeige, weil sie an der Riesenrutsche die Rutsch-Matten nicht abgibt. Jetzt steht der Mann vor Gericht.

Am Ende verließ der Rentner aus Oberursel schimpfend das Bad Homburger Amtsgericht. Das hatte ihn soeben zur Zahlung einer Geldstrafe von 2250 Euro verurteilt. Er soll im Freizeitpark Lochmühle eine Frau geohrfeigt haben. Das Motiv: Sie hatte an der Riesenrutsche nicht wie vorgesehen die Rutsch-Matten wieder abgegeben. Das Urteil will der 72-Jährige anfechten.

Eins ist sicher: Der Mann hat seine Bestimmung gefunden. Er sieht es als seine Aufgabe an, für Ordnung zu sorgen. Oder, wie es der Oberurseler in einer vorbereiteten Erklärung verlesen hatte: „Ich war beruflich immer für die Verbesserung von Produktions- und Verwaltungsabläufen zuständig.“ Diese Passion endete bei ihm auch dann nicht, als er im April 2015 mit seinen Enkeln einen Ausflug in die Wehrheimer Lochmühle unternahm.

Und vor allem ganz besonders dann nicht, wenn das eine Enkelkind – auch das trägt der sichtbar nervöse Angeklagte vor – drei Minuten an der Rutsche anstehen muss. Die Ursache war schnell ausgemacht: Statt wie vorgesehen nach dem Rutschen die Matten in eine Vorrichtung zu legen, nahmen die anderen Besucher sie einfach schnurstracks wieder mit zum Startpunkt.

Alle Kinder angewiesen

„Also habe ich alle Kinder angewiesen, ihre Matten ordnungsgemäß abzugeben“, sagt der Mann. Einem der ungehörigen Kinder entriss er die Matte so rabiat, dass es gegen einen Zaun fiel. Bei einer heute 34-Jährigen schindete er damit keinen Eindruck. Die Mutter nutzte den Umstand, „dass nichts los war“ – was andere Zeugen auch so sahen –, und rutschte mit ihrem Kind gleich nochmal – ohne die Matte zuvor vorschriftsmäßig abzugeben.

Das ließ der Angeklagte nicht auf sich sitzen, er wollte die Matte an sich reißen – erwischte dabei im Eifer aber auch den Schal der dreifachen Mutter, der sich eng um ihren Hals wickelte. Als die Frau dann in Panik nach dem Angreifer schlug, traf sie ihn. Seine Brille flog vom Gesicht und zerbrach. Für den Angeklagten endete die Geschichte damit. Nicht aber für die Frau. Sie berichtete von einer anschließenden Ohrfeige, was zwei Zeugen bestätigten. Das Gericht sprach 45 Tagessätze zu je 50 Euro wegen Körperverletzung aus.

Dass der Mann sich damit nicht einverstanden zeigen würde, machte er früh deutlich. Teil seiner Erklärung war die Ankündigung, „mit allen Mitteln gegen eine Verurteilung vorzugehen“. Schließlich habe er ja „nur für Ordnung gesorgt“.

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