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Russland im Herzen

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Von: Götz Nawroth-Rapp

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Auch Souvenirs aus Lomonossow hat Birgit Röher von ihren Reisen mitgebracht.
Auch Souvenirs aus Lomonossow hat Birgit Röher von ihren Reisen mitgebracht. © Michael Schick

Birgit Röher engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Städtepartnerschaften. Ganz alleine muss sie den Organisationsaufwand nicht stemmen.

Nein, zu viel Freizeit hat Birgit Röher ganz gewiss nicht. Die 52-Jährige ist Marketingreferentin bei der Deutschen Bahn, ihr Berufsleben fordert sie. Etwa auf Dienstreisen und bei Vorträgen, die vorzubereiten sind.

Doch Birgit Röher organisiert als Vorsitzende ehrenamtlich auch den Verein zur Förderung der Oberurseler Städtepartnerschaften (VFOS). Quasi nebenher. „Das geht nur, wenn man sich gut organisiert“, sagt sie. Die Stadt unterhält Partnerschaften zu Epinay-sur-Seine (Frankreich), Rushmoor (England) und Lomonossow (Russland), der Ortsteil Stierstadt ist zudem mit der Ortschaft Ursem in den Niederlanden partnerschaftlich verbunden.

Der Verein will diese Partnerschaften mit Leben füllen, jedes Jahr sind Reisen zu planen und Gäste in Oberursel zu empfangen. „Aktuell ist für Mitte Juli eine Bürgerreise nach Lomonossow geplant. Und Ende September gibt es eine Sprachreise nach Rushmoor.“

Ganz alleine muss Röher den Organisationsaufwand nicht stemmen, der Vorstand umfasst zehn Personen. Und unter den rund 160 Mitgliedern gibt es immer hilfsbereite Aktive, die bei Bedarf mit anpacken. Das war vor allem im vergangenen Jahr nötig, als die Partnerschaften runde Jubiläen feierten, flankiert von einer ganzen Reihe von Reisen, Festen und anderen Veranstaltungen. Da gelte es, ein schlagkräftiges Team zu haben, um Aufgaben zu bewältigen.

Sie wolle bei der Führung im Verein „Stärken stärken“, die Leute also im Idealfall genau das machen lassen, was sie am besten können. Und zu tun gibt es eigentlich immer was, vor allem für die Vorsitzende. „Aber ein Hobby kostet ja auch viel Zeit“, sagt Röher, die vor 16 Jahren nach Oberursel zog und seit über zehn Jahren im Verein mitwirkt. Seit 2013 ist sie VFOS-Vorsitzende, gerade wurde sie im Amt bestätigt.

Ihr Herz schlägt besonders für Russland. Gemeinsam mit ihrem Mann besucht sie regelmäßig Freunde in Lomonossow. „Das hilft, mein Schul-Russisch aufzufrischen“, sagt Röher mit verschmitztem Lachen. Sie stammt aus Mecklenburg-Vorpommern, ihren Mann lernte sie in Dresden kennen, auch er spricht Russisch und bringt sich im VFOS ein. Sie sei anfangs ziemlich überrascht gewesen, so Röher, dass auch in Oberursel an einigen Schulen Russisch als Schulfach angeboten werde.

Besonders spannend findet sie es, ein anderes Land über die Freundschaft zu seinen Bewohnern zu entdecken. „Bürger begegnen sich, und private Beziehungen entwickeln sich. Gerade mit Russland ist es ja nicht unkompliziert. Doch das geht, wenn man sich kennt.“ Dann sei so manches entspannter, auch wenn sich weltpolitisch das deutsch-russische Klima derzeit nicht eben zum besseren entwickelt.

Da helfe es sehr, dass etwa mit Hilfe aus Oberursel in Lomonossow ein Reha-Zentrum für Kinder und Erwachsene mit Behinderungen eingerichtet werden konnte. Auch bei den anderen, schon etablierten Partnerschaften gelte es, dran zubleiben. Vielversprechend sei auch ein Austausch der Grundschule Stierstadt mit Epinay-sur-Seine, so Röher.

Was die Arbeit im Verein angeht, können Sponsoren bei einzelnen Projekten finanziell viel bewegen. Für Birgit Röher bleibt die Mitgliedergewinnung eine wichtige Aufgabe. Der Vereinsbeitrag von 25 Euro pro Jahr und Mitglied sichert die Grundlage für die Aktivitäten. Neue Gesichter sind immer gern gesehen, etwa beim Stammtisch.

Erfahrungsgemäß seien es nicht die ganz jungen Menschen, die sich für Städtepartnerschaften engagierten. Aber die vielen Oberurseler Neubürger und die Familien, bei denen die Kinder aus dem Haus sind, die sich reif fühlen für neue Aufgaben, hat Röher ganz fest im Blick.

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