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Rücksicht auf Friedhöfen

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Schnelle Arbeit: Laubbläser sparen Zeit und Personal.
Schnelle Arbeit: Laubbläser sparen Zeit und Personal. © Rolf Oeser

Die städtischen Bau & Service (BSO) will nicht auf Laubbläser verzichten. Sie verspricht jedoch eine „sensible Nutzung“.

Von Jürgen Streicher

Rund 5.000 Kubikmeter Laub blasen die Männer vom städtischen Bau & Service (BSO) mit ihren knapp 40 Geräten in der herbstlichen Hauptsaison lautstark zusammen. Auf Gehwegen und Straßen, auf Friedhöfen, Sportplätzen und in Parkanlagen. Die Erfindung von Laubbläser und Laubsauger hat ihnen die Arbeit erleichtert. „Wenn wir alles fegen und rechen sollen, ist der Arbeitsaufwand deutlicher höher“, sagt BSO-Betriebsleiter Michael Weise. Ohne maschinengestütztes Saugen und Blasen würden etwa 40 zusätzliche Arbeitskräfte für die Laubentsorgung in den Herbstmonaten benötigt.

Die Zahlen nehmen vorweg, was der BSO im Auftrag des Stadtparlaments präsentieren soll: Daten über die Nutzung und den Einsatz von Laubbläsern und -saugern und Hinweise, „wie und in welchem Umfang bei der Reinigung von Straßen, Wegen und Grünflächen auf den umwelt- und gesundheitsschädigenden Einsatz verzichtet werden kann“. Die Stadt soll prüfen, ob die Benutzung dieser Geräte durch Privatpersonen eingeschränkt werden kann. Beschlossen wurde der Antrag der Grünen mit den Stimmen der Koalition, zu der noch SPD und die OBG gehören.

Spielzeug-Variante zu Schnäppchen-Preisen

Als Spielzeug-Variante für den Heimgärtner mit einer Handvoll Blätter auf seinem handtuchgroßen Grundstück kosten die Dinger gerade mal 40 Euro. Zum Blasen und zum Saugen oder als Kombination. Kein Wunder also, dass sie inzwischen millionenfach in der Republik für Lärm und Gestank sorgen.

Meist mit Verbrennungsmotor ausgerüstet, stoßen sie Kohlenwasserstoffe, Stickoxide und Kohlenmonoxid aus. Und sorgen für Ärger bei denjenigen, die den Lärm über mehrere Monate immer wieder ertragen müssen. Mit Windgeschwindigkeiten in Tornadostärke und Lärm nahe der Schmerzgrenze fegen Laubbläser die Herbstblätter zusammen. Mit dem Laub wirbeln sie auch kleine Tiere auf, die am Boden leben. Mit der stillen Herbstromantik zwischen bunt gefärbten Bäumen ist es für Laub, Tier und Mensch dann schnell vorbei. Schallpegel von über 100 Dezibel werden erreicht, die mit bis zu 220 Stundenkilometer Geschwindigkeit weggeblasenen Blätter und Äste können nicht mehr auf dem Boden verrotten, die Humus- und Nährstoffbildung wird behindert. Kleintiere wie Würmer, Spinnen und Kleinsäuger verlieren Nahrung und Lebensraum, der Boden wird der Deckschicht beraubt, die ihn vor Austrocknung und bei extremer Kälte schützen.

Aber er ist von Blättern gereinigt. „Sie glauben gar nicht, wie schnell die Leute anrufen und sich beschweren, wenn das erste Laub gefallen ist“, sagt Gerhard Behrends, der die Arbeiten für den BSO koordiniert. „Effektiver Einsatz und sensible Nutzung“ sei daher das Gebot, auf Friedhöfen etwa sei kein Laubbläser im Einsatz, wenn Beerdigungen oder Trauerfeiern stattfinden.

Für den BSO ist das Fazit einfach: „Wir brauchen die Dinger oder zusätzliche Leute. Oder die Stadt muss sagen, wo wir das Laub liegenlassen sollen.“ Für Lärm- und Umweltschutz will BSO-Chef Weise im nächsten Herbst Bläser mit Akkubetrieb testen lassen. Noch sei nicht klar, ob diese ähnlich leistungsstark sind wie der aktuelle Gerätepark. Wobei beim BSO kein Arbeiter ohne Ohrenschützer aktiv wird.

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