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Es röhren die Motoren

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Von: Andrea Herzig

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Toi, toi, toi. Jörg Hölzer wünscht Glück am Start.
Toi, toi, toi. Jörg Hölzer wünscht Glück am Start. © Michael Schick

Beim Start der 19. Rally Monte Carlo Historique vor dem Bad Homburger Kurhaus gibt es so manches herrliches Automobil zu bestaunen.

Wagen 143 ist ein knallroter BMW. Doch, die waren mal so klein, es ist kaum noch vorstellbar. Die Motorhaube steht offen und legt das blitzsaubere Innenleben frei. Fünf Männer beugen sich über das im Gegensatz zu modernen Automobilen transparent anmutende Herzstück des Oldtimers von 1971. Der Fahrer lässt den Motor aufheulen, im Umkreis von 50 Metern fliegen die Köpfe herum. Wow, waren die damals echt alle so laut?

Weiter oben auf der Louisenstraße stehen die Prachtstücke aufgereiht wie eine Perlenkette. Die meisten haben in den 1970ern das Licht einer Autofabrik erblickt. Ein Mercedes 300 SE und ein VW Käfer 1200 sind noch etwas älter, von 1961. Dazu passt das Durchschnittsalter der meisten Zuschauer, viele haben Kameras dabei oder zumindest das Handy knipsbereit gezückt.

Moderator Johannes Hübner erzählt in Fernsehkameras, dass die Rallye schon immer ein Winterrennen war. Tatsächlich scheint die Sonne, aber der Wind pfeift kalt über den Kurhausvorplatz. Auch drei Offizielle mit Porsche-Aufdruck auf den Anoraks verziehen sich mit ihren Listen ins beheizte Kurhaus.

Original-Startflagge

Der Platz um die Startrampe füllt sich zusehends. Ganz oben auf der steilen Empore, die beim Runterfahren später so manchem gespoilerten Oldie leichte Probleme macht, steht das bekannte organgefarbene Mobil der Bad Homburger Günther Krause und seines Co-Piloten Jörg Hölzer.

Die Startnummer 200 ist jedoch durchgestrichen, der BMW fährt in diesem Jahr nicht mit. Hölzer und Krause, die vor dem Start von der Geschichte der Rallye und vor allem von der Geschichte dieses ersten Starts in der Stadt seit 1997 erzählen, sagen warum: Hölzers Gesundheit lässt eine Mitfahrt leider nicht zu.

Als Moderator Hübner erklärt, warum auf den Fahrzeugen „Bad Hombourg“ in französischer Schreibweise steht, schwingt Marliese Bernecker, die Witwe des 2011 verstorbenen Rallye-Initiators Helmuth Bernecker, die Original-Startflagge, die sie erst kürzlich wiedergefunden hat. OB Alexander Hetjes wird sie kurz darauf vor jedem der 74 Fahrzeuge heben, die sich auf die 1240 Kilometer lange Reise ans Mittelmeer machen.

Und dann rollen sie endlich. Hübner begrüßt in vielen Sprachen, liebevoll stellt er die Oldies vor, nennt PS-Zahl und Fahrer, Rennhistorie und Startland. Wer heute nur noch schwarze, dunkelblaue und graue Autos kennt, reibt sich die Augen, ein zitronenfarbener Käfer, ein azurblauer Lancia Stratos. Nicht nur die Motoren waren früher lauter.

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