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Wo Roboter Zähne putzen

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Von: Torsten Weigelt

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In seinem Forschungszentrum im Taunus entwickelt der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble Bürsten und Pasten für die ganze Welt.

Wie haltbar ist eine Zahnbürste? Das testet im Forschungs- und Entwicklungscenter von Procter & Gamble (P & G) in Kronberg ein ganz spezieller Mitarbeiter: Unermüdlich führt der Roboterarm die kleine Bürste über ein künstliches Gebiss. „Die Vorgabe sind drei Monate, bei zweimal Putzen am Tag“, erläutert René Gübler, Mitarbeiter im P-&-G-Robotic-Center. Nach 180 Putzvorgängen am Stück werde dann der Verschleiß der Bürste kontrolliert, so Gübler.

Um die Qualität von neu entwickelten Zahnbürsten zu testen, kommt ebenfalls ein Roboter zum Einsatz. Dabei wird Plaque auf das Gebiss aufgetragen und die Maschine putzt jeweils eine Minute lang den Oberkiefer und eine weitere den Unterkiefer des Gebisses. Anschließend wird überprüft, wie gut es der Bürste gelungen ist, den Zahnbelag zu entfernen.

Dabei würden immer drei Bürsten im Vergleich getestet, erläutert Gübler, und zwar nicht nur die der P-&-G-Marke Oral B, sondern auch Produkte der Konkurrenz. Über wenig Arbeit bräuchten er und seine Kollegen sich nicht zu beklagen. „Wir sind schon bis Mitte April nächsten Jahres ausgebucht“, sagt Gübler.

Das Robotic-Center ist eine von mehreren Abteilungen, in der P & G in Kronberg neue Produkte für die Zahnpflege und Haarentfernung testen und entwickeln lässt, die dann zum Teil weltweit vermarktet werden. Wie etwa die elektrische Zahnbürste „Genius“, bei der man beim Putzen per Handy-App live mitverfolgen kann, wie sauber die Zähne bereits sind. Vor zwei Jahren habe man die erste Version der App in Kronberg entwickelt, erklärt Mitarbeiter Ingo Vetter. In diesem Jahr habe man noch eine Positionserkennung ergänzt.

Um den Bedürfnisse der Konsumenten auf die Spur zu kommen, lädt das Unternehmen regelmäßig ganz normale Frauen und Männer nach Kronberg ein. Dort können sie in einer Kabine, die mit Spiegel und Waschbecken ausgestattet ist, anonymisierte Produkte ausprobieren. „Wir fragen sie dann nach ihrem Gefühl“, schildert Produktforscherin Roxana von Koppenfels, etwa wie ihnen Geschmack, Frische oder Schaumentwicklung einer Zahnpasta zusagen.

Zudem zeichnen die P-&-G-Konsumentenforscher per Video auf, wie sich die Probanden die Zähne putzen. Um einen möglichst realistischen Eindruck zu bekommen, besuche man einige von ihnen auch zu Hause in deren Badezimmer, schildert von Koppenfels. „Es ist für uns zum Beispiel interessant, wie eine Mutter ihre Zähne putzt, wenn ihre beiden Kinder um sie herumwuseln.“

Aber auch klinische Studien entstehen in Kronberg. Dazu habe man eigens zwei Zahnärzte angestellt, sagt der technische Leiter für die Marke Oral B, Ralf Adam. Er präsentierte das Verfahren der digitalen Plaqueanalyse, bei der untersucht wird, wie schnell sich Zahnbelag nach dem Putzen wieder aufbaut. „Mit einem guten Material wachen die Leute morgens mit weniger Plaque auf, als andere direkt nach dem Putzen haben“, erklärte Adam.

Um das Verfahren vorzuführen, rieb Mitarbeiter Sven Müller einen fluoreszierenden Farbstoff auf seine Schneidezähne und putzte sie sich anschließend. Das Ganze wurde dann mit einer Kamera festgehalten und am Computer analysiert. Ergebnis: „Er hat sehr gut geputzt“, lobte Ralf Adam. „Nur am Eckzahn sind ein paar Reste übrig geblieben.“

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