Louisencenter

Richter inspiziert Parkhaus-Einfahrt

Ein Juristen-Tross berät vor Ort über das Louisencenter während sich die Autos schon jetzt vor der Garage stauen. Von Klaus Nissen

Von Klaus Nissen

Den ganzen Tag verhandelte der Kasseler Verwaltungsgerichtshof am Mittwoch über den Bau des Louisencenters am unteren Ende der Fußgängerzone. Eine zweistündige Ortsbesichtigung und eine Debatte im Rathaus standen vor der Entscheidung über Sein und Nichtsein des Millionen-Projekts. Das Urteil stand zum Redaktionsschluss am Abend noch aus.

Der Berliner Investor Joachim Tenkhoff will möglichst bald mit dem Abriss des ehemaligen Landratsamtes an der unteren Louisenstraße beginnen. Ende 2010 sollen dort Läden mit rund 10 000 Quadratmeter Verkaufsfläche öffnen. Als Ankermieter hat Tenkhoff nach eigenen Angaben den Elektronik-Riesen Saturn unter Vertrag. Das Gericht reiste gestern per Kleinbus von Kassel nach Bad Homburg, um sich das Innenstadt-Areal genau anzusehen. Zwei Stunden lang erkundeten die Juristen das riesige Gelände zwischen Kisseleff-, Ferdinand- und Louisenstraße. Vorneweg der Vorsitzende Richter Ekkehardt Blume mit dem Staatsanzeiger in der linken und einem Grundstücksplan in der rechten Hand. Im Schlepptau eine Stenografin, die vier Mit-Richter und Beisitzer, außerdem etwa 30 Anwälte, Gutachter, Stadtbedienstete und Journalisten.

Als "Dollpunkt" machte Blume die Einfahrt zum Parkhaus der Einkaufspassage "Louisenarkaden" an der Kisseleffstraße aus. Dort standen gerade fünf Autos auf der Straße und warteten auf einen freien Platz in der rund 300 Autos fassenden Garage. "Dabei ist der Mittwoch ein schwacher Tag", sagte der Arkaden-Eigentümer Bernard Broermann zum Vorsitzenden Richter. Broermann hatte die Klage angestrengt, denn er befürchtet: Ein Chaos, ein "Verkehrsknäuel" sei programmiert, wenn schräg gegenüber - wie von der Stadt erlaubt - bald auch die 128 Stellplätze im neuen Louisencenter angefahren werden dürfen. Die Einfahrt liegt zwischen den Gründerzeit-Häusern Kisseleffstraße 1 und 3, die Ausfahrt zwischen den Häusern 3 und 5.

Der gesamte Lieferverkehr müsse hier durch, klagte Broermann. Weil der Platz nicht reicht, werden die Louisencenter-Kunden nach seiner Prognose auch das Arkaden-Parkhaus benutzen. Das führe zu 30 Prozent weniger Umsatz bei den 40 Ladenbetreibern in den Arkaden. Der Rewe-Markt werde seinen halben Umsatz verlieren und abwandern. Tenkhoff widersprach: Das neue Louisencenter werde viele Kunden zusätzlich in die Louisen-arkaden locken. Die Kisseleffstraße könne die etwa 750 zusätzlichen Anfahrten pro Tag problemlos verkraften, meinte ein von der Stadt bestellter Verkehrsgutachter. Stadtbaudirektor Jürgen Zöll räumte ein, dass viele Louisencenter-Kunden in angrenzende Parkhäuser ausweichen müssten. Für sie schaffe die Stadt bald 180 neue Stellplätze unter dem Kurhaus-Garten und weitere 200 unter dem Bahnhofsvorplatz.

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