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Rentner überrumpelt

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Es geht auch ohne Enkeltrick. Maximiliano G. hat mit seinem Hallo-Trick vorgeführt, wie leicht alte Leute auszuplündern sind.

Von Klaus Nissen

Der 80-jährige Michael M. schildert vor dem Bad Homburger Amtsgericht, wie die Masche funktioniert. Der Rentner wirkt leicht verwirrt. Seine gesetzliche Betreuerin hat ihn aus seiner Bad Homburger Wohnung abgeholt und ins Gericht gefahren.

Er sei im Juli 2008 gerade mit vollen Taschen vom Einkaufen gekommen, erzählt das Opfer. Da stoppte ein großes schwarzes Auto an der Fußgängerampel zwischen Rathaus und Fußgängerzone. „Hallo, ich kenn dich doch!“ habe der Fahrer ihm fröhlich zugerufen. Es war Maximiliano G., der Angeklagte. „Komm, wir fahren dich nach Hause!“ Der junge Beifahrer komplimentierte den Rentner mit seinen Einkäufen ins Auto. Unterwegs berichtete Maximiliano G., dass er dringend nach Italien müsse – jemand aus seiner Familie sei gestorben. Ob Michael M. ihm nicht Geld für die Fahrt leihen könne? Er werde ihm als Pfand neue Kleidung überlassen.

Michael M. traute sich nicht zu sagen, dass er seinen Chauffeur noch nie gesehen hat. Daheim angekommen, kramte er 120 Euro aus seinem Portemonnaie und gab sie dem Mann.

Zurück zur Bank

Das reiche nicht, antwortete der frech. Ob der Rentner nicht noch etwas Geld auf der Bank habe? G. und sein junger Begleiter setzten den alten Mann wieder ins Auto und fuhren ihn zur Postbank-Filiale am Bahnhof. Da hob Michael M. weitere 130 Euro ab und gab sie dem Betrüger. „Dann stiegen die beiden ins Auto und fuhren einfach ab“, beschwert sich der Rentner zweieinhalb Jahre später vor Gericht. Die als Pfand angepriesenen Kleidungsstücke seien ebenfalls mit dem Auto verschwunden. „Aber ich hab mir das Autokennzeichen auf die Zigarettenpackung notiert!“

So kam es, dass die Polizei Maximiliano G. ausfindig machte. Der 34-jährige aus Mülheim ander Ruhr sagt vor Gericht nichts. Er verdiene sein Geld als Textilhändler auf Märkten, berichtet sein Anwalt. Und macht einen Vorschlag zur Güte: Das Gericht möge das Strafverfahren doch einstellen. Im Gegenzug verpflichte sich Maximiliano G., dem Rentner bis Weihnachten 250 Euro zu überweisen.

Zögernd stimmen die Staatsanwältin und dann auch die Richterin zu. So hat der alte Mann wenigstens sein Geld zurück. Gegen Maximiliano G. ist ein weiteres Strafverfahren anhängig. Wegen Betruges.

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