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Rechnungshof: Kita-Plätze 40 Prozent zu teuer

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Von: Torsten Weigelt

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Scheinbar könnte Oberursel viel Geld bei den Kitas sparen.
Scheinbar könnte Oberursel viel Geld bei den Kitas sparen. © dpa

In Oberursel gibt es Wirbel um eine noch unveröffentlichte Studie: Demnach könnten 40 Prozent der Kosten für Kitas eingespart werden. Der Erste Stadtrat sieht die Qualität der Betreuung gefährdet.

Leistet sich die Stadt Oberursel eine völlig überzogene Kinderbetreuung? So scheint es jedenfalls der Landesrechnungshof zu sehen. Eine Untersuchung, die die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft P & P Treuhand im Auftrag der Behörde erstellt hat, sieht ein Einsparpotenzial von rund 40 Prozent bei den Kosten der Stadt für Kitas, Krippen und Horte. 11,5 Millionen Euro gibt Oberursel derzeit pro Jahr dafür aus, 4,5 Millionen Euro mehr als nach den Berechnungen nötig.

Im Gespräch mit der FR bestätigte der Erste Stadtrat Christof Fink (Grüne) die Zahlen, monierte allerdings die Herangehensweise der Prüfer. „Sie haben rein wirtschaftliche Parameter angelegt.“ Inhaltliche Kriterien hätten keine Rolle gespielt. Außerdem bezweifelt er, dass viele der vermeintlichen Einsparoptionen überhaupt realistisch sind. „Da würden wir die Axt an die Qualität unserer Kinderbetreuung anlegen“, so Fink.

Noch ist der Rechnungshofbericht für Oberursel nicht öffentlich. Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) räumte in der jüngsten Stadtverordnetensitzung ein, dass die Zahlen der Stadt bereits seit Juli vorliegen. „Der Bericht muss aber erst einmal genau geprüft werden“, betonte er. Derzeit werde die Stellungnahme der Verwaltung dazu im Magistrat beraten, erklärte der Erste Stadtrat Fink. Er geht davon aus, dass sich die Stadtverordneten Ende Januar im Detail damit befassen können.

Die groben Zahlen haben allerdings bereits die Runde gemacht und in den Haushaltsberatungen eine Rolle gespielt. So hatte die Oberurseler Bürgergemeinschaft (OBG) gefordert, die Ausgaben für die Kinderbetreuung für das kommende Jahr um 2,25 Millionen Euro zu kürzen, fand dafür aber keine Mehrheit.

„Wir fischen noch im Trüben“, sagte Wolfgang Schmitt (Grüne). Man müsse darauf achten, das Versorgungsniveau nicht zu verschlechtern. Allerdings sprach er auch von „frappierenden Kostenunterschieden“ zwischen den einzelnen Einrichtungen.

OBG-Sprecher Andreas Bernhardt führte das auf den „wesentlich höheren Personalschlüssel“ der städtischen Kitas zurück. Deshalb sei zu überlegen, die kommunalen Kitas an einen freien Träger zu übergeben. Er brachte dabei den Verein zur Förderung der Integration Behinderter (VzF) ins Spiel, der in Oberursel bereits drei Kindertagesstätten und einen Hort betreibt. Beim VzF handele es sich „um einen sehr verlässlichen Partner“ bestätigt Christof Fink. Allerdings warnt er vor einer Monokultur bei der Kinderbetreuung. Dass die freien Träger in der Rechnungshof-Studie besser wegkommen, könne auch daran liegen, dass sie höhere Landeszuschüsse erhalten als die Stadt.

Fink räumt ein, dass die städtischen Kitas kleinere Gruppen anbieten als im hessischen Kinderförderungsgesetz (Kifög) vorgesehen sind. Bei der U3-Betreuung sei die Stadt aber schon dabei die Gruppengröße von 10 auf 12 anzupassen.

Bislang sei es darüber hinaus Konsens gewesen, dass Leitungskräfte von Betreuungsaufgaben freigestellt werden. Und auch auf die Horte könne Oberursel vorerst nur schwer verzichten. Denn die Betreuungszentren an den Schulen, die vom Kreis betrieben werden, platzten jetzt schon aus allen Nähten.

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