1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Razzia im Louisencenter

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Bei einer Großrazzia haben Zoll und Polizei am Mittwochmorgen 231 Bauarbeiter auf der Baustelle des Louisen-Centers überprüft. Unser Bild zeigt die Prüfung von Dokumenten mit einem speziellen Mehrfachlichtgerät.
Bei einer Großrazzia haben Zoll und Polizei am Mittwochmorgen 231 Bauarbeiter auf der Baustelle des Louisen-Centers überprüft. Unser Bild zeigt die Prüfung von Dokumenten mit einem speziellen Mehrfachlichtgerät. © Joachim Storch

Zoll und Polizei haben am Mittwoch zum zweiten Mal in diesem Jahr die Arbeiter auf der Baustelle des Bad Homburger Louisen-Centers überprüft. Mehrere Kontrollierte hatten keine Arbeitserlaubnis, ein Mann auch keine Aufenthaltsgenehmigung.

Von Anton J. Seib

Erneut sind bei einer Razzia auf der Baustelle des Louisen-Center mehrere illegal beschäftigte Bauarbeiter erwischt worden. Ein Mann wurde vorläufig festgenommen, weil er keine Aufenthaltserlaubnis vorzeigen konnte. Bereits im März hatten Zoll und Polizei die Baustelle in der Louisenstraße kontrolliert und dabei massive Verstöße festgestelllt. Damals waren vier Männer verhaftet worden, in der Folge ermittelten die Behörden gegen zwei ausländische Unternehmen.

Am Mittwoch um 8 Uhr rückten erneut rund 100 Beamte des Hauptzollamts Gießen an. Unterstützt von Polizisten sperrten sie die Baustelle weiträumig ab und begannen alle der rund 200 Beschäftigten zu kontrollieren. Die Razzia zog sich bis in den Nachmittag. „Nach ersten Erkenntnissen haben einige Männer aus Osteuropa keine Arbeitsgenehmigung. Das zieht ein Bußgeld nach sich. Ein moldawischer Arbeiter hatte zudem keine Aufenthaltsgenehmigung. Er wurde vorläufig festgenommen“, so das erste Fazit von Michael Bender vom Hauptzollamt. Dem Mann droht die Abschiebung.

Die erneute Kontrolle geht auf die Erfahrungen bei der ersten Razzia im Mai zurück. „Damals gab es für keine der Firmen Werkverträge. Das ist eher untypisch für Baustellen dieser Größenordnung“, sagt Bender. Werkverträge zwischen Bauherr und Baufirmen stellen sicher, dass für ausländische Arbeiter die deutschen Mindestlöhne gezahlt werden. Seither beschäftigen alle Firmen ihre Mitarbeiter über diese Werkverträge.

Die Frage ist allerdings, ob sie auch eingehalten werden. „Die Bestimmungen werden oft unterlaufen, in dem die Beschäftigten unbezahlte Mehrarbeit leisten oder Pauschalen für Unterkunft oder Verpflegung abgezogen bekommen“, beschreibt Bender die Praktiken der schwarzen Schafe.

Deshalb wurde jeder Arbeiter auch nach Bezahlung und Arbeitszeit befragt. Die Angaben wurden noch vor Ort anhand der Unterlagen der Bauleiter überprüft. Danach müssen die betroffenen Baufirmen ihre Bücher zur Überprüfung öffnen. Auch wenn die Gießener Zollbehörde ständig auf Baustellen nach dem Rechten schaut, die Wirkung solcher Razzien hält sich in Grenzen. Bender: „Nach wie vor gibt es kaum eine Baustelle, auf der alles in Ordnung ist.“

Auch interessant

Kommentare