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Razzia auf der Großbaustelle

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Razzia am Louisencenter.
Razzia am Louisencenter. © FR/Seib

Eine Szene wie im Krimi: 100 Zollbeamte und Polizisten riegeln das Areal rund um die Louisenstraße ab. Ihre Suche nach Schwarzarbeitern ergibt vier vorläufige Festnahmen. Von Martina Propson-Hauck

Von Martina Propson-Hauck

Das Szenario wirkt fast wie eine Filmkulisse: Polizeiwagen auf der Louisen- und Kisseleffstraße, ein Notarztwagen in der Fußgängerzone und überall Männer in Uniformen. Blau tragen die Polizisten, grün die Zollbeamten, obendrüber Baustellenwesten in Neonfarben, untendrunter teilweise auch kugelsichere Westen. Zwischendrin wuselt eine Handvoll Kameramänner und -frauen.

Aber das hier ist keine Filmkulisse: 76 Zollbeamte, unterstützt von 30 Polizisten und Ordnungskräften riegeln das Quartier Schlag acht Uhr früh systematisch ab. Nun müssen alle 60 Bauarbeiter antreten, Schlange stehen, ihre Ausweispapiere vorlegen. Wer sich ordentlich ausweisen kann, bekommt ein silbernes Armbändchen um, damit die Beamten den Überblick behalten. "Seit letztem Jahr ist es Pflicht, dass jeder Bauarbeiter einen gültigen Ausweis dabei hat", sagt Michael Bender, Sprecher des Hauptzollamtes Gießen.

Einer der Bauarbeiter rennt weg, stolpert dabei, jammert, sein Bein sei gebrochen. Der Notarztwagen kommt, doch die Besatzung kann keinen Bruch feststellen. Der Mann muss warten wie die anderen auch. Eine lange Schlange bildet sich. Denn die vorgelegten Ausweise werden sorgfältig von Mitarbeitern der Dokumentenprüfstelle der Frankfurter Polizei untersucht. Ein falscher Führerschein ist schnell entdeckt. Die Kameraleute halten immer weiter drauf. Vox arbeite an einer Dokumentation über die Arbeit des Zolls, lässt sich der Pressesprecher entlocken.

Die Razzia auf der Baustelle des Louisencenters sei "reine Routine". Direkt an der Fußgängerzone wirkt so ein Groß-Kommando allerdings ein wenig einschüchternd. Man denkt an Geiselnahmen, mindestens. Eine alte Frau traut sich kaum, ihren Weg über die Kisseleffstraße fortzusetzen. Gerüchte pflanzen sich schneller fort als die Razzia zu Ende ist. "Da sollen 80 Prozent illegal gearbeitet haben", erzählt der Inhaber des türkischen Imbisses um die Ecke. Weit gefehlt: Nach Ende der Aktion werden vier Arbeiter vorläufig festgenommen. Zwei haben keine Arbeitserlaubnis, zwei weitere haben falsche und gefälschte Dokumente vorgelegt. Ein Arbeiter wird in Abschiebehaft genommen, weil er mit gefälschten Papieren unter falscher Identität in Deutschland lebt.

Problem der Branche

"Uns geht es nicht so sehr um die einzelnen Arbeiter, sondern um die Arbeitgeber", sagt Bender. Auch am Louisencenter werde, wie überall, mit Subunternehmern gearbeitet, Namen nennt er nicht. Manche der überprüften Arbeiter hätten auch angegeben, selbstständig zu sein. "In der Baubranche gibt es nach wie vor sehr viel Schwarzarbeit", sagt Bender. Vor allem bei einfacheren Arbeiten wie Eisenbiegen und Einschalen treffe man oft Schwarzarbeiter an, die von Firmen aus dem Ausland angeheuert würden.

Das Hauptzollamt Gießen informiert sich regelmäßig, wo es Großbaustellen gibt. Im vergangenen Jahr gab es eine ähnliche Razzia in Eschborn beim Bau der Börse. Und vor zwei Jahren waren in Oberursel an der Baustelle für die Burgwiesenschule zwölf osteuropäische Bauarbeiter festgenommen worden, die sich illegal in Deutschland aufhielten. In Bad Homburg waren die Fahnder vom Zoll bislang nach Auskunft von Bender nicht aktiv.

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