1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Publikum floh vor Heiner Müller

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Seit 20 Jahren leitet Wolfgang Moll das Oberurseler Stadttheater. In dieser Zeit kam es auch schon einmal zu Eklats. Doch insgesamt setzt der Theatermacher auf bekannte Stücke und Klassiker.

Von Eva Marie Stegmann

Über manche Dinge kann man nur lange Zeit danach schmunzeln. Eigentlich ist es gar nicht lustig, nein, so überhaupt gar nicht, dass an jenem einen Abend 1993 nach der Pause die Hälfte aller Besucher des Stadttheaters Oberursel den Saal verlassen hatte.

Heute kann Wolfgang Moll, der Leiter des Theaters, das an die Volkshochschule Hochtaunus angegliedert ist, über diesen Eklat grinsen. „Ich hatte es mit Heiner Müller versucht“, erklärt der 57-Jährige. Einer der wichtigsten deutschsprachigen Dramatiker des 20. Jahrhunderts, den müsse man doch kennen.

Kennen hin, kennen her. Den Leuten gefiel nicht, was Moll für sie ausgesucht hatte. Nur einmal ist das passiert – und dennoch: „Das hatte sich bei den Politikern festgebrannt“, sagt Moll, „wir waren plötzlich das Theater, aus dem die Leute flüchten.“

An den Vorfall anschließend hätten einige Politiker ernsthaft über den Sinn des Stadttheaters, das damals noch Vhs-Bühne hieß und pro Saison fünf Stücke mit je einer Aufführung in die Stadthalle holt, nachgedacht.

Die Folge war, dass Moll, der von sich selbst als „Programmierer“ spricht, nicht mehr experimentierte, sondern auf Nummer sicher ging: bekannte Stücke, Klassiker. 1993 stand das Theater, das von Zuschüssen der Stadt und privaten Sponsoren lebt, auf der Kippe. Wenn man es so will, ist es zum Großteil dem Mann, mit dem nahezu weißen Vollbart und der Hornbrille zu verdanken, dass das Stadttheater Oberursel in der heutigen Form noch existiert. Seit 20 Jahren ist er bei VHS für das Schauspiel zuständig, seit dieser Zeit meistert Moll eine Krise nach der anderen.

Eintrittspreise erhöht

„Der große Aderlass“ kam 2001. Die Stadt wollte wegen ihrer finanziellen Probleme kein Geld mehr in das Stadttheater investieren. Einige andere Theater und die Abonnementen lehnten sich auf. „Die Zuschüsse wurden halbiert“, sagt Moll. Weil die Eintrittspreise dann kräftig erhöht wurden, stieg aber die Hälfte der Abonnementen aus. Seit einiger Zeit steigt die Zahl der Abos wieder, zu 70 Prozent sind die Aufführungen in der Stadthalle ausgelastet, seit dem Jahr 2010 heißt die Vhs-Bühne Stadttheater. Damit ging ein erneuter programmatischer Wechsel einher, der aber sehr gut funktioniert.

Anstatt der Volksbühnen, mit denen man bis dato zusammengearbeitet und bekannte Stücke nach Oberursel gebracht hatte, setzt Moll heute auf „Zugpferde“: Promi-Schauspieler wie Doris Kunstmann, die sowohl aus Serien wie Polizeiruf 110 als auch aus internationalen Kinofilmen wie Funny Games bekannt ist, oder Martin Lüttge, der im Tatort den Kommissar Bernd Flemming spielte.

Weitere Informationen zum Stadttheater, Abos und das Programm gibt es unter www.vhs-hochtaunus.de unter der Rubrik Kulturprogramm.

Auch interessant

Kommentare