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Protest am Taunus-Kinderheim

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Von: Olaf Velte

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Verrammelt und vergessen: Der Hochtaunuskreis lässt das ehemalige Kinderheim seit zehn Jahren verfallen.
Verrammelt und vergessen: Der Hochtaunuskreis lässt das ehemalige Kinderheim seit zehn Jahren verfallen. © Michael Schick

Die Besetzer des Taunus-Kinderheims fordern eine Nutzung des seit Jahren leerstehenden Gebäudes.

Gestern Nachmittag haben Schüler und Studenten aus dem Hochtaunuskreis das ehemalige Taunus-Kinderheim in der Wehrheimer Saalburgsiedlung besetzt. „10 Jahre Leerstand – jetzt reicht’s“, ist auf einem Transparent zu lesen, das den Eingangsbereich zu dem 10.500 Quadratmeter großen Grundstück schmückt.

In Zeiten steigender Wohnungspreise und fehlender Studentenunterkünfte sei es nicht hinnehmbar, dass Kreisverwaltung und Gemeinde Wehrheim das Areal mitsamt dem dreistöckigen Haus vergammeln ließen. „Wir fordern die Nutzung des Gebäudes!“, heißt es in der Presseerklärung. Mit der Aktion soll auf den Missstand aufmerksam gemacht und lokale Politik in die Verantwortung genommen werden. Sieben junge Frauen und Männer haben sich um kurz nach eins im Hof eingefunden, ausgerüstet mit Decken, warmen Jacken und Thermoskannen. Stürmen wollen sie die einstige Hotelpension „Waldfriede“ nicht. „Randale und Sachbeschädigung haben wir nicht im Sinn.“ Gewaltfrei soll alles ablaufen – sie vertrauen auf einen sinnvollen Dialog.

Dem Verfall überlassen

Doch die Dialogpartner lassen sich am östlichen Ortsrand nicht blicken. Stattdessen taucht Fernando Magalhaes auf. Der Hausmeister der Wehrheimer Heinrich-Kielhorn-Schule beaufsichtigt nebenbei das verfallende Kinderheim und kommt auf Geheiß des Landratsamtes. Er soll die Gruppe des Geländes verweisen – was jedoch nicht gelingt. „Dann muss ich die Polizei anrufen“, sagt Magalhaes, der mehrmals auf die Unbewohnbarkeit des Bauwerkes hinweist. Feuchtigkeit dringe ein, im Inneren herrsche umfassende Verwüstung.

Es sei unfair, den Hausmeister vorzuschicken, sagt eine der jungen Frauen. „Der Kreis will von dem Thema nichts wissen.“ Keinem ist verständlich, warum das Wohnheim mit seinem markanten Eckturm seit zehn Jahren dem Verfall überlassen wird. Der Bedarf an Unterkünften sei doch vorhanden. Von „fehlendem sozialen Bewusstsein“ ist die Rede.

Die Gruppe will sich nicht verscheuchen lassen. Sollte man das Anwesen verlassen müssen, werde man wiederkommen. „Auch andere Aktionen sind vorstellbar.“ Am Lagerfeuer richten sich die Teilnehmer auf die Nacht ein, Zigarren machen die Runde, es wird getanzt. Um 18 Uhr treffen Polizisten ein, durchsuchen die Rucksäcke, nehmen Personalien auf. Das Feuer muss gelöscht werden.

Im Jahre 2002 hat der Kreis den Standort von der Frankfurter Waisenhausstiftung übernommen. Jeder Versuch, hier eine schulische Einrichtung zu etablieren, schlug seitdem fehl.

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