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Protest gegen neue Bushaltestelle

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Von: Miriam Keilbach

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Anwohner wie Helga Erlbeck (Hut) sind verärgert.
Anwohner wie Helga Erlbeck (Hut) sind verärgert. © Chris Hartung

Bad Homburg Anwohner fürchten Verkehrschaos durch die Verlegung der Station

Fassungslos stehen 15 Senioren auf dem Gehweg und zeigen auf die Grünfläche hinter ihrem Haus in der Jakob-Lengfelder-Straße 31 bis 41. „Ich habe dafür kein Verständnis“, sagt Helga Erlbeck, die seit 1973 hier wohnt, „hier wird eine parkähnliche Anlage zerstört“. Annedore Möller ergänzt: „Es ist mir unbegreiflich, wie die Stadt sowas zerstören kann.“ Ein städtisches Grundstück, das an das Haus grenzt und 40 Jahre von den Bewohnern gepflegt wurde, soll teilweise einer Bushaltestelle sowie einer Wertstoffstation weichen, die derzeit wenige Meter entfernt stehen. Eine Linde muss gefällt, der Zaun versetzt werden. Rund 20000 Euro wird die Stadt investieren.

Die Bushaltestelle Lorscher Straße, an der die Linie1 zum Gotischen Haus und die Linie 24 zum Bahnhof abfahren, befinde sich in einer verbesserungsfähigen Lage, so die Stadt. „Der Gehweg ist so schmal, dass es kein Wartehäuschen und keine Sitzbank gibt“, sagt Stadtsprecher Andreas Möring. Die Wertstoffanlage steht auf dem Bürgersteig an der Ecke Jakob-Lengfelder-Straße/An der Leimenkaut. „Der Container verdeckt die Sicht von Autofahrern, die von der Jakob-Lengfelder-Straße kommen“, sagt Möring. An der Kreuzung gilt rechts vor links.

Rückstau bis Bahnübergang

Die Stadt hat die Eigentümer in einem Schreiben über die Maßnahme informiert. Nachfragen bei Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) seien unbeantwortet geblieben, so Dietrich Gebauer, Beiratsmitglied der Eigentümergemeinschaft. Laut Möring wird derzeit ein Antwortschreiben verfasst.

Die Bewohner protestieren, sie sehen Gefahrenpotenzial. Derzeit gilt an der Stelle, an der künftig Busse und Müllwagen halten sollen, absolutes Halteverbot. Die Stelle liegt nur 30 Meter hinter dem U-Bahn-Übergang. Die CDU-Stadtverordnete Ursula Conzelmann sagt: „Ich erinnere mich, dass der mögliche Rückstau bis zum Übergang damals ein Grund war, die Haltestelle dort zu errichten, wo sie jetzt ist.“

Ist das Müllauto am Werk, müssten die Bewohner, 16 von ihnen sind über 80 Jahre alt, um das Mobil herum gehen, wenn gleichzeitig ein Bus kommt. „Wir haben viele Leute, die nicht mehr so mobil sind, die haben Angst“, sagt Gebauer. Gleichzeitig wird die Straße von vielen Radfahrern genutzt. Die 82-jährige Annelies Riek befürchtet, dass die Wertstoffstation dazu führt, dass auch anderer Müll in die Grünanlage gelegt wird. „Die ganze Straße wird verschandelt“, sagt sie. Einige der rund 140 Bewohner seien auf Hilfe angewiesen, bräuchten Taxis und Krankenwagen. Möring entgegnet, die Verwaltung habe geprüft, durch die Verlegung entstehe keine gefährliche Verkehrssituation.

Ortsvorsteher Friedrich Pleines sagt, er habe von allem aus der Zeitung erfahren. „Ich bin verwundert, dass der Ortsbeirat nicht informiert wurde.“ Conzelmann schließt sich an: „Man macht sowas nicht, man spricht doch mit den Leuten.“

40 Jahre lang hat die Gemeinschaft die Anlage gepflegt, allein 2012 investierte sie mehr als 1300 Euro für die Pflege, „und jetzt geht die Stadt so auf Konfrontation“, sagt Gebauer. Die Pflege haben sie nun eingestellt. Die Bewohner haben eine einstweilige Anordnung gestellt, doch das Verwaltungsgericht entschied, den Anwohnern entstehe kein direkter Nachteil. In Berufung will die Gemeinschaft nicht gehen, „aber unser Ziel ist es, die Verlegung zu verhindern.“ Die Stadt will im Frühjahr mit dem Bau beginnen.

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