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Protest gegen kürzere Ausbildung

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Das geplante Kinderförderungsgesetz fördert den Unmut.
Das geplante Kinderförderungsgesetz fördert den Unmut. © Arnold

Unterschriften gegen das Kinderförderungsgesetz: Der Beirat der Ketteler-La Roche-Schule in Oberursel warnt vor undurchdachten Neuerungen für Erzieher.

Von Eva Marie Stegmann

Wir müssen jetzt handeln, nicht erst, wenn es zu spät ist“, begründet Ute Villmeter, die Leiterin der Ketteler-La Roche-Schule in Oberursel, den Protest gegen das geplante hessische Kinderförderungsgesetz (Kifög) und die Ausbildungsverordnung für Erzieher. Um auf ihre Befürchtungen aufmerksam zu machen, haben die Leitung der Schule, an der Erzieher ausgebildet werden, und Studierende bereits in Frankfurt demonstriert und in Oberursel Unterschriften gesammelt. In vier Wochen setzten 1400 Menschen ihre Namen auf die Liste.

Jetzt hat der Beirat, bestehend aus Schulleitung, Kollegium sowie der Studierenden- und der Praxisvertretung, einen vierseitigen offenen Brief an den hessischen Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) verfasst. „Das alles ist nicht gut durchdacht“, sagt Ute Villmeter. Im Einzelnen klängen die Punkte von Kifög und Ausbildungsverordnung gar nicht so schlimm. „Aber die Zusammenwirkung aller Entscheidungen schraubt das Korsett enger und enger“, erklärt die Schulleiterin.

Kifög und Ausbildungsverordnung hängen eng zusammen. Während Ersteres die Rahmenbedingungen der Kita- und Krippenbetreuung regelt, betrifft Zweiteres die Inhalte der Erzieherausbildung. Im Gegensatz zum Kifög, das 2014 in Kraft treten soll, soll die Ausbildungsverordnung noch in diesem Jahr geändert werden.

„Uns sorgt vor allem der Plan, dass Sozialassistentinnen und -assistenten ihr Anerkennungsjahr künftig auf ein halbes Jahr verkürzen können sollen“, sagt Villmeter. Derzeit ist das nur Schülern erlaubt, die ihre Erzieherausbildung neben dem Beruf absolvieren. Meist bringen sie jahrelange Erfahrung im sozialen Bereich mit. „Sozialassistenten hingegen sind Berufsanfänger, sie brauchen dieses praktische Jahr, der Lernstoff ist anspruchsvoll“, erklärt Villmeter. Einverstanden wäre sie damit, nur besonders guten Schülern die Verkürzung zu erlauben. „Leider sind es meist nicht die besten, die verkürzen wollen.“ Selbst die Frauen und Männer, die berufsbegleitend studieren, würden das verkürzte Anerkennungsjahr oft bereuen.

Kürzere Kita-Öffnungszeiten

Die Ausbildungsregelung ist Sache des Kultusministeriums. Für das Kifög zuständig ist das Sozialministerium. Die Hauptkritikpunkte daran sind, dass statt der bisherigen zehn Prozent nun 20 Prozent sogenannte Fachfremde in den Kitas und Krippen arbeiten dürfen. Wie diese denn auf besonders förderungsbedürftige Kinder eingehen, fragt man sich in dem Brief. Ein weiteres Manko sind die Kita-Öffnungszeiten. Das Kultusministerium findet, 42,5 Wochenstunden reichten aus. „Das verfehlt die Arbeitsmarktsituation vollkommen“, ärgert sich Ute Villmeter, „was ist denn beispielsweise mit der Krankenschwester im Schichtdienst?“ Im Schnitt haben die Tagesstätten bis zu 60 Wochenstunden geöffnet.

Einer, der mit den Befürchtungen der Erzieher und Eltern größtenteils übereinstimmt, ist der erste Stadtrat Christof Fink (Grüne). „Das Kifög würde die Gruppengröße in Krippen von zehn auf 16 Kinder erhöhen – das darf nicht sein“, betont er. Das Kifög sei nicht grundsätzlich zu verwerfen, doch es müsse nachgebessert werden. Und wenn das Kifög trotz der Bedenken verabschiedet wird? „Dann wird die Stadt finanziell einspringen“, beruhigt Fink, „ich muss nur noch die Stadtverordneten überzeugen“.

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