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Ein Prosit der Braugerste

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Von: Götz Nawroth-Rapp

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Braumeister Ochs (re.) bei der Arbeit, hier mit Laternenkönigin Franziska I. und Lions-Club-Präsident Ulrich Christmann.
Braumeister Ochs (re.) bei der Arbeit, hier mit Laternenkönigin Franziska I. und Lions-Club-Präsident Ulrich Christmann. © Monika Müller

Auch beim Gerstensaft schauen die Landwirte in die Röhre: Je Liter Bier erhalte der Bauer für seinen Hopfen gerade mal einen Cent.

Zu den grundsätzlichen Aufgaben von Karsten Schmal gehört es eigentlich, Optimismus zu verbreiten. Wirklich danach zumute ist ihm als Präsident des Hessischen Bauernverbandes derzeit nicht. Seit Monaten sinkende Erzeugerpreise träfen die Milchvieh- und Schweinehalter schwer. Eine Trendwende sei nicht in Sicht. Das sagte Schmal gestern bei einem Termin in Bad Homburg, bei dem es eigentlich um Bier ging.

Doch auch beim Gerstensaft schauten die Landwirte in die Röhre: Je Liter Bier erhalte der Bauer für seinen Hopfen gerade mal einen Cent, für seine Braugerste noch einmal vier Cent. Ein höherer Anteil vom Verkaufspreis beim Bier wie bei allen Lebensmitteln aber sei nötig, wenn Landwirte auch künftig hohe Qualitätsstandards einhalten und umweltverträglich arbeiten sollen, betonte Schmal.

Anlass des Treffens in der Braugaststätte Kronenhof war das Jubiläum 500 Jahre Reinheitsgebot. Nur Gerste, Wasser und Hopfen dürfen ins Bier, das wurde im April des Jahres 1516 so postuliert. Dass auch Hefe eine Rolle bei der Gärung spielen kann, wurde später festgestellt. Die Gerste wird bei vielen Großbrauereien aus dem Ausland importiert. Ein Anbau von Sommergerste lohnt kaum, gegenüber anderen Kulturpflanzen ist der Ertrag vergleichsweise gering.

Im Hochtaunus wird entsprechend auf gerade einmal 460 Hektar Sommergerste angebaut, wie Kreisbauernverbandschef Georg Kopp informiert. „Das entspricht gerade einmal sechs Prozent der gesamten Ackerfläche von 7500 Hektar im Kreis.“

Die hohe Kaufkraft in der Region führt laut Kopp zu einem „hohen Druck auf die Siedlungsfläche“. Auch der „Freizeitdruck“ in der Flur sei wegen der Nähe zum Ballungsraum Frankfurt sehr hoch. Seit 1993 habe sich die Anzahl der bäuerlichen Betriebe im Hochtaunuskreis halbiert, sie liegt inzwischen bei 272 Höfen. Eine hohe Kaufkraft bedeute aber auch, dass sich immer mehr Landwirte etwas dazuverdienen können. Etwa mit der Pensionspferdehaltung, bei der fremde Tiere auf dem Hof untergebracht und verpflegt werden Das kann laut Kopp ein lukrativer Nebenerwerb sein.

Manche Landwirte bieten Gastronomie an oder vermarkten ihre Produkte direkt. Beides macht auch der Kronenhof, der in seiner Gaststätte selbst gebrautes Bier ausschenkt. Nach Angaben des Braumeisters Christian Ochs kommen dazu nur Zutaten aus der Region in den Braukessel. Die Gerste baut man gleich selbst an.

Und weil man sich beim Brauen länger Zeit lasse als die Massenproduzenten, gebe es bei den Kronenhof-Bieren auch bei vermehrtem Konsum weniger „Gesundheitsbeeinträchtigung“ am nächsten Morgen. Sagt jedenfalls Braumeister Ochs. Davon werden sich auch die Besucher des Hoffestes am kommenden Wochenende selbst überzeugen können.

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