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Auf dem Landgrafenplatz wird der Namensgeber geehrt.

Der Prinz vom Homburg

Vor 325 Jahren gründeten Hugenotten und Waldenser Friedrichsdorf

Von Anton J. Seib

Der Dreißigjährige Krieg hatte Deutschland weitgehend entvölkert, besonders groß war die Not im Zwergstaat Hessen-Homburg. Da hatte der clevere Regent, Prinz Friedrich II., eine Idee: Gezielt warb er um Hugenotten und Waldenser, die in Frankreich wegen ihrer Religion verfolgt wurden. Er gewährte ihnen eine Reihe von Privilegien – und die Glaubensflüchtlinge strömten in den Taunus. 1687 gründeten sie Friedrichsdorf, das in seinen Anfängen noch den provisorischen Namen „neues Dorf“ trug.

„Lieber will ich mein Silbergerät verkaufen, als diesen armen Leuten die Aufnahme zu versagen.“ Dieses Bonmot des Landgrafen wird gern zitiert, wenn es um die Gründung Friedrichsdorfs geht. Der Landgraf ist Friedrich II. von Hessen-Homburg, der legendäre Prinz von Homburg mit dem silbernen Bein – eben jenes kunstvolle Silbergerät – , dem Heinrich von Kleist ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Im Bad Homburger Schlossmuseum kann man es bis heute besichtigen.

Eben jener Friedrich, gerade an die Macht gekommen, zeigte sich beeindruckt von der Ansiedlungs- und Wirtschaftspolitik des Berliner Großen Kurfürsten Friedrich. „Angesichts der Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs und entsprechender Einwohnerverluste war es also nicht nur Mitleid mit den Glaubensbrüdern, sondern bei der Aufnahme verfolgte der Landgraf durchaus wirtschaftliche Interessen“, so die Friedrichsdorfer Stadtarchivarin Erika Dittrich.

Also erließ er schon im August 1684 einen offenen Brief, in dem er „Teutsche von allen im römischen Reich geduldeten Religionen vor allem aber Hugenotten“ zur Ansiedlung einlud. Ein Jahr später, das Edikt von Nantes, das den Hugenotten Religionsfreiheit gewährt hatte, war gerade aufgehoben worden, verfasste Friedrich ein zweites Schreiben, in dem er ausdrücklich „französische Flüchtlinge“ ansprach. Dittrich: „Mit Steuerprivilegien und der Aufhebung des Zunftzwangs sah der Landesvater die Chance, seinem Minisprengel neue Impulse zu geben.“ Er hoffte auf höheres Steueraufkommen, denn schließlich erwartete er den Zuzug von Handwerkern und Kaufleuten. Die ersten Ankömmlinge siedelte Friedrich in der Homburger Neustadt an.

1687 verfasste er erneut eine Schrift, in der er Flüchtlingen, die sich in Homburg und dem Umland ansiedeln wollten, zehnjährige Steuerfreiheit, kostenlosen Baugrund und Material gewährte. „Sogar der Schultheiß sollte aus ihren Kreisen stammen, auch ein eigener Gerichtsschreiber wurde ihnen versprochen“, so Dittrich. Als Gegenleistung forderte Landgraf Friedrich den Treueeid der Neubürger.

Im Sommer 1687 siedelten sich die ersten Familien auf dem Gelände an, das der Landgraf bereits 1682 der Familie Brendel abgekauft hatte. Die besaß dort eine Schäferei, die sogenannte Brendelburg, das heutige Milupa-Gelände. 5000 Gulden hatte der Landgraf dafür bezahlt. Um das Geld zusammenzubekommen, hatte er Silberschmuck im Wert von 1600 Gulden verkauft: „Er hat also tatsächlich Silber verkauft“, sagt Dittrich.

Die „colonie francaise“ prosperierte, die Kolonisten blieben dem Herrscherhaus verbunden. Sie benannten den Ort nach ihm und setzten ihm 200 Jahre später aus Dankbarkeit die Landgrafensäule, die heute auf dem Landgrafenplatz an den Namensgeber der Stadt erinnert.

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