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PPR-Tunnel gekippt

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Blick aus der Hohemarkstraße auf die Saalburgchaussee.
Blick aus der Hohemarkstraße auf die Saalburgchaussee. © Martin Weis

Die SPD enthält sich, die CDU stimmt gegen den FDP-Antrag und alle anderen im bad-homburgischen Stadtparlament sind dafür, wollen einen Schlussstrich unter jahrzehntelange Planungen für eine Unterführung ziehen. Und tun es dann auch.

Von Martina Propson-Hauck

Dass nun empörte Pendler aus dem Usinger Land Bad Homburg belagern werden oder gar „Panzer rollen“, wie ein Korrespondent aus den Gefilden jenseits der Saalburg Donnerstagabend im Bürgerhaus Kirdorf mutmaßte, ist wohl eher nicht zu erwarten.

Dennoch wird es dort enttäuschte Reaktionen geben. Denn das Stadtparlament hat am Donnerstag einen deutlichen Schlussstrich unter das Kapitel „Tunnel an der PPR-Kreuzung“ gezogen: Mit einer Mehrheit von 23 zu 19 Stimmen haben FDP, Grüne, BLB, NHU sowie die Abgeordneten Steffen Etzel (Linke), Rolf Berns (fraktionslos) und der Republikaner Sascha Palivec gegen die Stimmen der CDU und bei Enthaltung der SPD beschlossen, alle Planungsverfahren sowohl für die lange als auch für eine kurze Tunnelvariante einzustellen und zudem die Zusage an den Hochtaunuskreis zurückzuziehen, sich an den Kosten der Realisierung eines Tunnels unter der stauträchtigen PPR-Kreuzung zu beteiligen.

Mehr als 40 Jahre

„Seit über 40 Jahren zieht sich diese unendliche Geschichte“, sagte Wolfgang Hof (FDP), der diesen Schlussstrich beantragt hatte. „Außer endlosen Diskussionen ist nichts passiert, außer, dass die Kosten von acht Millionen D-Mark auf 105 Millionen Euro gestiegen sind“, urteilte er, nachdem er Etappen dieser Geschichte noch einmal in einer Presseschau vorbeiziehen ließ. Das Problem sei, so das Fazit der Tunnelgegner, ja gar nicht die Kreuzung, sondern die Saalburg-Kuppe.

1300 Fahrzeuge verkraftet diese, rund 1900 Autos passieren sie morgens und abends in den Spitzenzeiten des Berufsverkehrs. Die PPR-Kreuzung, die nach den bisherigen Planungen untertunnelt werden sollte, habe dagegen Kapazität für etwa 1700 Autos, sagte Bardo Röhrig von den Grünen.

Wolfram Kister, Verkehrsexperte der CDU, wollte die Entscheidung über die Einstellung des Planfeststellungsverfahrens für den PPR-Tunnel gern so lange zurückstellen, bis die geplanten Umbaumaßnahmen ausgeführt sind, mit der die Durchlässigkeit der Kreuzung noch weiter verbessert werden soll. Eine Analyse der tatsächlichen Verkehrsentlastung solle zeigen, ob diese Maßnahmen ausreichend seien, wie es Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) verspreche. Kister bezweifelt das. Die Ampelschaltung ist zuletzt durch den Einbau von Detektoren in der Fahrbahn verbessert worden. Das habe bereits wieder zu einer Zunahme des Verkehrs geführt, sagte Röhrig. Denn wo der Verkehr fließt, stiegen Taunus-Bahn-Nutzer auch wieder zurück aufs Auto um. Demnächst sollen weitere Umbauten der Kreuzung mit Veränderungen der Fahrspuren folgen.

Verantwortung für das Umland

Die SPD begründete ihre Enthaltung – und damit das Ausscheren aus dem Votum des Viererbündnisses – damit, dass man die Menschen im Usinger Land nicht vor den Kopf stoßen wolle. „Bad Homburg hat auch Verantwortung für die Region und für das Usinger Land und dessen Entwicklungschancen“, sagte Bürgermeister Karl Heinz Krug (SPD). Der „Totengräber“ des Tunnels sei aber nicht die Politik, sondern das Regierungspräsidium in Darmstadt, das dem Hochtaunuskreis als Aufsichtsbehörde wegen dessen hohen Schuldenstands bereits untersagt hatte, die schon beschlossene Planungsgesellschaft für den Tunnel zu gründen.

Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) erinnerte daran, dass die Kosten für den Tunnel bereits auf 117 Millionen Euro angestiegen seien. Es gebe keine Finanzierungsmöglichkeit für diese Summe. Die PPR-Kreuzung werde immer ein stark belastetet Verkehrsknoten bleiben, „aber wir können nicht mit einem Tunnel auf unsere Kosten die Probleme des Kreises lösen“.

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