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Medaille mit drei Kaisern: (v. l.) Wilhelm I, Friedrich III, Wilhelm II.

Bad Homburg

Illegales Geld vom Landgrafen

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Münzkabinett im Gotischen Haus hat wieder geöffnet / 4000 Objekte

Erst 1816 erhielten die Landgrafen von Homburg das Recht, Münzen zu prägen. Das hatte den Bekanntesten der Homburger Fürsten jedoch nicht davon abgehalten, bereits Ende des 17. Jahrhunderts Silbertaler mit seinem eigenen Konterfei als Zahlungsmittel in Umlauf zu bringen. Offenbar kam Friedrich II., literarisch verewigt im Theaterstück „Prinz Friedrich von Homburg“, mit dieser illegalen „Heckenmünze“ durch.

Jedenfalls ist Werner Stahl nicht bekannt, dass der Schwarzdruck aus Silber irgendwelche Konsequenzen für den Landgrafen gehabt hätte.
„Damals mangelte es an Bargeld“, schildert Stahl, der in den vergangenen Jahren alle 4000 Objekte der Münz- und Medaillensammlung im Gotischen Haus einer Revision unterzogen hat.

Ergebnis ist ein umfangreicher Katalog, von dem nun der erste Band erschienen ist. Zudem können die Besucher des Stadtmuseums im ersten Stock ab sofort wieder einen Teil der Sammlung im Münzkabinett besichtigen – inklusive eines der ominösen Silbertaler Friedrichs II.
2015 war das Kabinett geschlossen worden. Bei der Auswahl für die neue Dauerausstellung hat sich der zuständige Mitarbeiter Peter Lingens auf Münzen, Medaillen und Plaketten mit Porträtdarstellungen konzentriert. „Jeder kann mit dem menschlichen Antlitz etwas anfangen“, sagt Lingens. Außerdem passt das Konzept gut zu den gemalten Porträts, die im Nachbarraum zu sehen sind.

Der Besucher begegnet im Münzkabinett aber nicht nur den Köpfen des heimischen Adels oder der Kaiser aus Preußen, die sich Bad Homburg im 19. Jahrhundert als Sommerresidenz ausgesucht hatten. Auch bürgerliche Persönlichkeiten wie der Architekt Louis Jacobi, der Gründer der Spielbank François Blanc oder der Kunsthistoriker Fried Lübbecke wurden auf Plaketten und Medaillen verewigt.

Gleich mehrere Vitrinen sind den Dichtern Friedrich Hölderlin und Heinrich von Kleist gewidmet, von denen der eine (Hölderlin) immerhin wenige Jahre in der Stadt gelebt hat, der andere (Kleist) mit ihr aber lediglich literarisch über sein Prinz-von-Homburg-Stück verbunden war.

Insgesamt sind 60 Exponate zu sehen. Dabei handelt es sich nicht nur um Originale. Zum einen seien wichtige Münzen nur noch als Kopien erhalten, zum anderen habe man den Unterschied zwischen Original und Nachahmung deutlich machen wollen, erläutert Peter Lingens. So haben die Besucher den direkten Vergleich zwischen einer Eisenplakette mit der Darstellung Prinz Adalberts von Preußen aus dem frühen 19. Jahrhundert und einer Bronzekopie aus dem dritten Drittel des 20. Jahrhunderts

Leider noch nicht wieder aufgetaucht ist das einstige Prunkstück der Münzsammlung im Gotischen Haus: Der Golddukat mit dem Porträt Friedrichs II. war 2012 auf mysteriöse Weise aus einer geschlossenen Vitrine verschwunden. Wie das möglich war, konnte auch die Polizei bislang nicht aufklären.

Das verschwundene Exponat hatte einen Versicherungswert von 20 000 Euro. Über den heutigen Wert möchte Münzexperte Werner Stahl nicht spekulieren. Das gilt auch für die übrigen Objekte der Sammlung. Die habe er zwar auf Herz und Nieren geprüft, so Stahl, eine Bewertung sei jedoch kaum möglich. „Das sind seltene Objekte, da sind die Preise nie konstant.“

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