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Plakette für Barrierefreiheit

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Von: Fabian Böker

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Eine Rampe wie am Homburger Sinclairhaus kann helfen.
Eine Rampe wie am Homburger Sinclairhaus kann helfen. © Martin Weis

Der Kreis und der VdK prüfen, ob Gebäude für Menschen mit Behinderung zugänglich sind. Ist alles in Ordnung gibt es eine Plakette für Barrierefreiheit.

Nach Ostern hat sich Karl Sellent auf den Weg gemacht. Der Mann vom Sozialverband VdK Usinger Land hat sich das Vereinshaus eines Gesangsvereins im Hochtaunuskreis genauer angeschaut. Sein Auftrag: herausfinden, ob das Gebäude barrierefrei ist. Ist das der Fall, verteilt er eine entsprechende Plakette.

Diese Plakette gibt es im Namen des Hochtaunuskreises. Der hat sie zu Beginn des Jahres aufgelegt, um „Gebäude, Institutionen und Aktionen in ihrer Barrierefreiheit kenntlich zu machen“, wie es in einer Mitteilung des Kreises heißt.

Für die Umsetzung sind sowohl der Kreis als auch der VdK zuständig. Lisa Ziegler, Beauftragte für Menschen mit Behinderung im Hochtaunus, sieht die Zertifizierung als weiteren Teil ihrer Arbeit an (siehe Infobox). Mit Karl Sellent hat sie sich einen Experten an die Seite geholt, da der VdK unter anderem die Interessen von Menschen mit Behinderungen vertritt.

Die Objekte, die sich Sellent und Ziegler in den kommenden Monaten angucken wollen, können ganz unterschiedlicher Natur sein. Der Gesangsverein, der wegen der noch nicht endgültig abgeschlossenen Prüfung nicht genannt werden soll, kam beispielsweise von sich aus auf Lisa Ziegler zu. „Die wollten wissen, ob ihre bisherigen Arbeiten ausreichend sind, um als barrierefrei zu gelten.“

Die Prüfer wollen sich aber auch Gebäude anschauen, die aus ihrer Sicht eine Zertifizierung verdient haben könnten, oder die teilweise sogar schon barrierefrei sind. Reicht es dann noch nicht sofort für eine Plakatte, wird eine Beratung angeboten.

Karl Sellent stellt oft fest, dass es gerade die Kleinigkeiten sind, die übersehen werden. Das ist gar nicht als Vorwurf gemeint. Trotz aller Fortschritte auf dem Gebiet der Barrierefreiheit ist es eben doch noch oft ungewohntes Terrain, auf dem sich zum Beispiel Architekten bewegen. „Da geht Aussehen manchmal vor Funktionalität“, so der VdK-Mann.

Als Beispiel für „gut gemeint“, nennt Sellent den Bad Homburger Bahnhof. Dort ist er oft privat unterwegs, „und jedes Mal ärgere ich mich über die Rampe am Südausgang“. Dass es die Rampe gibt, sei an sich gut. Aber die Steigung sei mit mehr als sechs Prozent zu steil. „Barrierefreiheit bedeutet aber, dass der Mensch im Rollstuhl alles alleine schaffen muss“, erklärt Sellent. Also auch den Weg über eine Rampe.

Und es geht ja nicht nur um Rollstuhlfahrer. Auch blinde und gehörlose Menschen sollen „selbstbestimmt und gleichberechtigt am Leben teilhaben können“, so Lisa Ziegler. Die Plakette soll dieses Ziel festigen.

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