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Der Flügel steht bei Helena Döse mitten im Wohnzimmer.
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Der Flügel steht bei Helena Döse mitten im Wohnzimmer.

Oberursel

Placidos Tosca

Hofsängerin Helena Döse stand auch mit dem Star-Tenor Domingo auf der Bühne. Doch trotz weltweiten Engagements war Frankfurt ihre musikalische Mitte - und Oberursel wurde der Ruhepunkt und Mittelpunkt des Familienlebens.

Von Jürgen Streicher

Die Aida blieb ihre Lieblingsrolle. Um Tod oder Leben geht es eben immer für eine Opernsängerin. Auf jeder Bühne der Welt zwischen Sydney und Toronto, Buenos Aires und Paris, San Francisco und Göteborg. Als Mimi, Tosca, Aida ... auf so vielen Bühnen, in so vielen Rollen war Helena Döse unterwegs. „Singen ist mein Leben“ – mehr muss sie dazu nicht sagen.

Die Aida aber machte Helena Döse weltberühmt über Nacht. Als Mimi in Puccinis La Bohème sollte sie im Herbst 1971 debütieren, doch dann kam die Aida dazwischen. Im September des gleichen Jahres, fast vor der Haustür im heimatlichen Schweden. Für die Star-Sopranistin Birgit Nilsson war Döse als Backup gebucht und für die Vorproben im riesigen Scandinavium von Göteborg, in dem dann zweimal 12 000 Opern-Fans die Nilsson feierten. Zum 350. Jahrestag der Stadt.

Und dann kamen noch einmal fast 8000, die in einer Zusatzvorstellung ihr zujubelten. Ihr, Helena Döse, der 25-jährigen Sängerin, die in der Kleinstadt Kungälv, knapp 20 Kilometer nördlich des Scandinaviums als Jüngste neben fünf Brüdern aufgewachsen war. Nein, kein Zittern, kein Wackeln in der Stimme beim Debüt vor so vielen Menschen. „Niemand hatte Erwartungen an mich. Es war herrlich, ich lebte Aida.“ Die Augen der heute 65-jährigen Opernsängerin leuchten in der Erinnerung an die fulminante Premiere ihrer Karriere.

„A star was born“, sagten die Kritiker damals. Eine Diva ohne Allüren – so begegnet sie dem Besucher in ihrem Haus im Oberurseler Eichwäldchen. Im T-Shirt mit bunten Herzen und roten, um den Hals geschlagenen Tuch, schnell noch die letzten Lockenwickler aus dem Haar fingernd, nebenbei ihre zwei Hunde vorstellend. Freundliche Labradore, wie Fußvorleger mal im Flur, mal vor dem Sofa oder dem Flügel. Helena Döse hat am Waldrand eine wunderbare zweite Heimat gefunden. Täglich ist sie mit ihren Hunden unterwegs, auch im strömenden Regen, bei Wind und Wetter. Und bisweilen singt sie, statt die Hunde zu rufen.

Ihrem italienischen Lehrer Luigi Ricci habe sie die Aida zu verdanken. Weil sie damals „absolut nach Rom wollte“. Auf das schwedische Debüt folgten zwei Jahre Berner Oper. Dort hat sie auch ihren Mann, einen österreichischen Sänger und Agenten, kennengelernt, mit dem sie zwei erwachsene Söhne hat. Royal Opera House Stockholm, Aida in der Sydney Opera, Sieglinde in Zürich, Mimi in Straßburg und dort erstmals auch die Tosca. Und dann die Elsa aus dem Lohengrin. In Frankfurt, auch da singt sie um ihr Leben.

Frankfurt wird nach dem beschaulichen Kungälv endlich wieder eine Heimat. Ein „Traumvertrag“ für jeweils sechs Monate im Jahr Gastspiel machte es möglich, so nennt sie es heute. Es war die Gielen-Ära an der Frankfurter Oper, als Helena Döse die Elsa sang. Fast zwölf Jahre lang stand sie danach immer wieder in Frankfurt auf der Bühne, vor und nach dem großen Opernbrand von 1987. Die Sieglinde sang sie unter Ruth Berghaus. Frankfurt war trotz weltweiter Engagements ihre musikalische Mitte, Oberursel wurde der Ruhepunkt und Mittelpunkt des Familienlebens, das auch eine Opernsängerin mit Mann, zwei Söhnen und Hunden führen will.

Die Welt aber ist immer die Bühne. „Ich liebte die italienischen Rollen“, sagt sie. Die Aida natürlich und Puccinis Tosca, die sie mit Weltstar Placido Domingo in Oslo singen durfte. Auch da klingt sie nicht eitel, das Lob gilt dem Kollegen, den sie einen „mehr als wunderbaren Partner“ nennt. Ein Sänger, der sie mitgenommen hat in seine Auffassung vom Leben jeder Rolle. „Ich war nicht mehr Helena, ich war Tosca“, schwärmt sie. „Meine Tosca“, so habe Placido Domingo sie noch beim jüngsten Treffen genannt, bei der Vergabe des Birgit-Nilsson-Awards in Stockholm, fast 20 Jahre nach dem gemeinsamen Auftritt.

Natürlich hat sie das Schwarz-Weiß-Bild noch, auf dem sie mit dem Star-Tenor zu sehen ist. Aber es hängt nicht an der Wand im Wohnzimmer, das der Flügel dominiert. Drumherum Notenständer, aufgeschlagene Notenblätter, Schallplatten, Bücher, Partituren. Eher verdeckt das in einer Ecke aufgehängte Bild, das sie mit Schwedenkönig Carl Gustav („Ein sehr netter Mann“) zeigt. Er ernannte sie zur königlich-schwedischen Hofsängerin und überreicht ihr – festgehalten auf einem anderen Bild – die Medaille „Litteris et Artibus“ des Königshauses.

Den alten 2002 verliehenen schwedischen Ehrentitel „Hovsångerska“ hat sie schon mit ein wenig Stolz auf ihre Visitenkarte übernommen. Er hilft natürlich auch bei ihrer neuen musikalischen Lebensaufgabe, seitdem sie nicht mehr auf den großen Bühnen steht. Junge talentierte Sängerinnen und Sänger aus aller Welt kommen seit 2006 zu den „Master Classes“ im schwedischen Kungälv, die sie jeden Sommer mit dem berühmten amerikanischen Coach David L. Jones, mit Pianist Ulrich Staerk und der Körper- und Stimmtrainerin Anita Astrand gibt.

Der ersten Heimat will Helena Döse damit auch etwas zurückgeben – die Master Classes enden stets mit einem großen Konzert im örtlichen Theater. In der neuen Heimat Oberursel plaudert sie auf Einladung der Rotarier auch mal bei einer Berufsinfobörse vor Gymnasiasten. Und singt zumindest ihren Hunden beim Spaziergang durch den Stadtwald Fetzen aus ihren Lieblingsarien vor.

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