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Stadtarchivarin Erika Dittrich präsentiert eine Nachbildung des ersten Telefons. Monika Müller

Friedrichsdorf

Mehr Platz für den Telefon-Erfinder

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Die Ausstellungsfläche im Philipp-Reis-Haus wird verdoppelt.

Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ - mit diesem Satz ist der Friedrichsdorfer Lehrer Philipp Reis in die Geschichtsbücher eingegangen. Aus Holzrohr, Stricknadel, Geige und Galvanischen Zellen hatte er 1860 eine Apparatur gefertigt, die Töne über eine elektrische Leitung übertragen konnte, den Vorläufer des späteren Telefons.

Um zu testen, ob das Gerät funktioniert, verwendete Reis bewusst sinnlose Aussagen wie die vom Pferd und dem Gurkensalat. Wer möchte, kann sich darüber ausgiebig in seinem einstigen Wohnhaus an der Hugenottenstraße 93 informieren. Dort hat die Stadt ein Museum eingerichtet, das nicht nur eine Dauerausstellung über ihren berühmtesten Sohn und die Geschichte des Telefons präsentiert, sondern auch die Entstehung der einstigen Hugenottensiedlung und deren wirtschaftliche Entwicklung nachvollzieht.

Dazu benutzt die sorgfältig eingerichtete Dauerausstellung moderne Mittel wie Hörstationen oder eine Video-Installation. Weniger zeitgemäß präsentiert sich allerdings das Gebäude selbst. Besucher können bislang nur über eine enge Treppe in den ersten Stock gelangen. Eine Toilette gibt es nicht und wegen der beengten Raumsituation muss die beliebte Erfinderwerkstatt für Kinder mitten in den Ausstellungsräumen stattfinden.

Doch das soll sich ändern. Die Stadtverordneten haben den Weg für den Ausbau des Museums freigemacht. Eine halbe Million Euro ist dafür vorgesehen, ein Teil werde aber über Zuschüsse vom Land übernommen, teilt Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) mit.

Durch den Ausbau werde sich die Ausstellungsfläche verdoppeln, freut sich Museumsleiterin Erika Dittrich. Das wird vor allem deshalb möglich, weil ein Gebäudetrakt, der bislang als Wohnung vermietet worden war, künftig von dem Museum genutzt werden kann. Das biete die Möglichkeit, die Fluchtgeschichte der Hugenottenfamilien ausführlicher zu beleuchten, denen der Bad Homburger Landgraf Friedrich II. Ende des 17. Jahrhunderts zu einer neuen Heimat verholfen hatte. Außerdem könne man künftig Exponate zur für die lokale Wirtschaftsentwicklung wichtigen Geschichte der Zwiebackproduktion zeigen, für die derzeit noch kein Platz ist, erläutert Dittrich.

Ausgeweitet werden sollen auch die Mitmachmöglichkeiten, etwa durch eine Färberwerkstatt, in der vor allem die jungen Besucher selbst Stoffe bedrucken können. Was die Details angeht, sei man aber selbst noch am Tüfteln, so Dittrich.

Fest steht, dass das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude nach dem Umbau barrierefrei zugänglich sein soll. Dazu soll ein Aufzug an der Rückseite des Gebäudes installiert werden. Auch eine behindertengerechte Toilette ist vorgesehen.

Darüber hinaus ist geplant, den bisherigen Durchgang in ein Foyer umzugestalten. „Wir haben dann ein richtiges Entree“, sagt Erika Dittrich. Dort könnten etwa die Kinder, die zu den Erfinderwerkstätten kommen, ihre Sachen ablegen. Und auch eine echte Empfangstheke soll es geben – wie es sich für das Philipp-Reis-Haus gehört in Form eines Telefonhörers.

 Bürgermeister Burghardt geht davon aus, dass der Umbau im kommenden Jahr beginnen kann. Mit dem Denkmalschutz sei schon alles geklärt, sagt Museumsleiterin Dittrich. Auf einen Eröffnungstermin möchte sie sich allerdings nicht festlegen.

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