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Die Pferdeflüsterin

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Für die FR legen der Wallach Kachino und Nadja Slavka einen Synchrontanz hin.
Für die FR legen der Wallach Kachino und Nadja Slavka einen Synchrontanz hin. © FR/Surrey

Nadja Slavka ist Trainerin für Natural Horsemanship im Hochtaunuskreis. Was das ist und wie es ihr dabei ergeht, beschreibt sie in der FR.

"Komm, Farasch." Ich schlage mit dem Ende des Stricks im Sekundentakt gegen meine Oberschenkel. Der dreijährige Wallach geht einen Schritt nach rechts, aber das Geräusch verschwindet nicht. Er tritt auf der Stelle, dann bleibt er stehen und kaut. Als Trainerin für Natural Horsemanship und Humanship weiß ich, dass er jetzt von der rechten in die linke Gehirnhälfte wechselt. Ich darf ihn jetzt nicht unterbrechen, denn Denken braucht Zeit, besonders bei jungen Pferden. Mit der linken Gehirnhälfte reflektieren Pferde ihr Handeln, mit der rechten handeln sie instinktiv.

Nach gut zehn Sekunden hört Farasch auf zu kauen, er ist also "empfangsbereit". Mit dem Strick-Ende schlage ich wieder gegen meine Oberschenkel und übe leichten Druck auf das Halfter aus. Mein Schüler bewegt die Hinterhand in einem Halbkreis in meine Richtung, bis er ganz dicht neben mir steht. Sofort belohne ich ihn - ohne Leckerlis, aber dafür mit Ruhe und Zuwendung, denn Pferde sind komfortsüchtig. Es reicht aus, ein Pferd in Ruhe zu lassen oder es zu streicheln.

"Farasch, pass auf!" Ich reibe mein Bein an Faraschs Rücken und hole mir so seine Aufmerksamkeit. Nach mehreren Wiederholungen gleite ich auf seinen Rücken. Farasch kaut, dreht die Ohren und senkt schließlich den Kopf, um Grashalme zu zupfen. Erstbesteigungen sind langweilig, wenn man sie richtig macht.

Fähigkeiten entfalten

Als Trainerin für Natural Horsemanship und Humanship reite ich Pferde ein, trainiere "Problempferde" oder gebe Seminare. Humanship bedeutet, der Mensch soll an seiner mentalen Einstellung arbeiten. Beim Natural Horsemanship geht es darum, als sichere Führungsperson dem Pferd dabei zu helfen, seine Fähigkeiten zu entfalten.

Meine Grundregel: Sage, was du meinst und meine, was du sagst. Bedeutet: Jeden Schritt, den das Pferd gehen soll, muss ich als Mensch in Gedanken mitgehen. Physisch äußere ich meinen Willen nur mit minimalen Gesten, mit Mimik oder durch leichten Druck mit der Hand. Um ein Pferd zum Beispiel seitwärts treten zu lassen, genügt ein Fingerzeig.

Auch auf dem Rücken des Pferdes gilt diese Regel. Ich beeinflusse seine Bewegungen mit Gewichtshilfen; Sattel und Trense lasse ich weg. Zügel sind eigentlich nur zum Stellen des Kopfes da, nicht zum Anhalten. Jeder kann lernen, sein Pferd ohne Sattel und Trense zu reiten, denn Pferde reagieren auf die leisesten Signale. Selbst die Bewegung eines Augapfels spüren sie.

Pferde können ängstlich, unverständig oder respektlos reagieren. In den ersten beiden Fällen empfiehlt es sich, die Übung zu unterteilen und jeden Schritt sofort zu belohnen. Mangelt es an Respekt, kann eine erhobene Stimme helfen. Sollte das Pferd den Reiter anrempeln, muss der Mensch sofort seine Führung verteidigen. Nur konsequenter Führung schenken Pferde Vertrauen.

Aufgezeichnet von Desiree Brenner

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