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Wo die Pferde gewechselt wurden

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Von: Olaf Velte

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Königstein feiert: Feuerwerk illuminiert Burg und Stadt.
Königstein feiert: Feuerwerk illuminiert Burg und Stadt. © Martin Weis

Königstein Festakt zu „700 Jahre Stadtrechte“ präsentiert sich als heitere Reise durch die Historie

Wir befinden uns im Jahre 1313.“ So begann Felicitas Schmieder im vollbesetzten Saal des Königsteiner Hauses der Begegnung ihren Festvortrag zur Stadtrechtsverleihung vor sieben Jahrhunderten. Ein Glück, dass dem nicht so war: In jener so weit entfernten Vorzeit prägten Hungersnöte den Alltag, das Klima begann sich mit Macht zu wandeln.

Pünktlich um 18 Uhr hatte sich die Sonne am vergangenen Samstag verabschiedet, um der festlichen Illumination am Gala-Abend Platz zu machen. 500 Ehrengäste applaudierten erstmals, als die letzten Klänge des „Celtic Firedance“ verklungen waren und Bürgermeister Leonhard Helm mit Stadtverordnetenvorsteher Robert Rohr auf dem Podium erschien. Von der „lebendigen Stadt“ war fortan ebenso die Rede wie von einer „heiteren Reise durch die Historie“.

Allzu leicht wollte Professorin Schmieder das Thema jedoch nicht abhandeln. Sie fragte nach den tatsächlichen Beweggründen, die am 27. Februar 1313 zur Erhebung in den Stadt-Status geführt hatten. Ihre Zeitreise öffnete ein Panorama, in dem das damalige Taunus-Dorf ein kleiner Bestandteil des weltumspannenden ökonomischen Betriebes war. Und Betrieb war reichlich: Auf der Route von Frankfurt nach Köln – eine Vorläuferin der heutigen Bundesstraße 8 – rumpelten die Kaufmannswagen ohne Unterlass ihren Zielorten zu. Eine Tagesreise vor der Messestadt am Main gelegen, wurde der Ort Königstein zu einem idealen Platz.

Hier, wo Pferde gewechselt wurden und Quartier gemacht, war die vorbeiführende Straße das lebensspendende Element. „Die Burg“, so Schmieder, „war nicht das Zentrum – sie diente dem Schutz des Handelsweges.“ Am Ende profitierten alle Beteiligten von der Verleihung des Stadtrechts: die Falkensteiner als Besitzer, die Bewohner Königsteins, die Ratsherren des nahe gelegenen Frankfurt.

Bis heute, so der Tenor vieler Grußworte, sei das städtische Gepräge identitätsstiftend. So erinnerten die Glückwunsch-Überbringer aus Land und Region an wechselvolle Geschichte und bleibende Werte. Hochtaunus-Landrat Ulrich Krebs, der Euripides zitierte, sprach von Autonomie, Freiheit und Bürgersinn in der ältesten Stadt des Kreises. „Heute dürfen wir eine Bürgerschaft feiern, die ihre Stadt zu etwas Eigenem gemacht hat.“

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