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Sir Peto sammelte Geld

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Ab 1910 bis 1971 verkehrte  die Straßenbahnlinie 25 von der Höhestraße bis Frankfurt.
Ab 1910 bis 1971 verkehrte die Straßenbahnlinie 25 von der Höhestraße bis Frankfurt. © Stadtarchiv Bad Homburg

Der Bau einer Bahnstrecke von Frankfurt scheiterte ab 1845 zweimal an der Kleinstaaterei. Da gab es einmal die preußisch-strengen Frankfurter, den Kurfürst von Hessen-Kassel und die Nassauer, die sich nicht einige wurden. Dann kam ein britischer Gentleman daher und durchschlug den gordischen Knoten.

Von Klaus Nissen

Die deutsche Kleinstaaterei war bis 1870 der Grund so manchen Übels. Wer über die zahlreichen Grenzen hinweg Handel trieb, stöhnte über die Zölle. Für den Unterhalt der Fernstraßen fühlte sich niemand zuständig – entsprechend mies war ihr Zustand. Und der Bau der Bahnstrecke von Frankfurt scheiterte ab 1845 zweimal an der Kleinstaaterei. Denn auf den 18 Kilometern zwischen beiden Städten waren vier Staaten zu durchqueren, berichten Gerta Walsh und Walter Söhnlein in ihrem neuen Buch.

Die preußisch-sittenstrengen Frankfurter polemisierten gegen die „Luxusbahn“, mit der spielsüchtige Reichsstädter allzu leicht an die Homburger Roulettetische der Gebrüder Blanc gelangen konnten. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel blockierte das Projekt jahrelang, weil sein Vater einst 40 wertvolle Orangenbäume in Homburg beim Spiel verloren hatte. Die Nassauer schließlich mauerten, um ihre Heilbäder Wiesbaden, Ems, Kronthal, Schwalbach, Schlangenbad und Soden vor der Homburger Konkurrenz zu schützen.

In 39 Minuten nach Frankfurt

Erst ein britischer Gentleman durchschlug den gordischen Knoten. Sir Samuel Morton Peto, Sohn eines Bauunternehmers, hatte schon die zentrale Bahnlinie durch Kanada gebaut. Im Krimkrieg schuf er 1854 eine Bahnverbindung nach Sewastopol, die schließlich den Sieg der Briten möglich machte. Der Oberhaus-Abgeordnete gründete 1859 eine Aktiengesellschaft, die schnell rund 1,6 Millionen Gulden einsammelte. Die Hälfte des Kapitals steuerte die Homburger Spielbankgesellschaft bei. Sie wurde später mit sprunghaft steigenden Spielerlösen belohnt.

Der erste Homburger Bahnhof wurde auf Betreiben der Spielbank wenige Meter entfernt, an der Ecke Louisen- und Ferdinandstraße erbaut. Wo heute das Rathaus steht, fuhr am 10. September 1860 der erste Zug nach Frankfurt ab. Er brauchte 39 Minuten an den Main. Umgekehrt dauerte die Fahrt wegen der Steigung 46 Minuten. Zum Personal gehörten 85 Beamte und 69 Arbeiter. Vier Dampfloks und 36 Waggons beförderten 1861 schon 491000 Fahrgäste, 1878 waren es eine Million. 1907 ging der jetzige Bahnhof in Betrieb. Der alte wurde 1972 abgerissen.

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