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Personal soll Sanierung bezahlen

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Von: Detlef Sundermann

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Die Hochtaunuskliniken - hier das Gebäude in Bad Homburg.
Die Hochtaunuskliniken - hier das Gebäude in Bad Homburg. © FR/Surrey

Hochtaunuskliniken wollen in den nächsten drei Jahre neun Millionen Euro einsparen. Bluten sollen dafür die Mitarbeiter der Krankenhäuser in Bad Homburg und Usingen. Von Detlef Sundermann

Die Hochtaunuskliniken wollen bis 2012 neun Millionen Euro beim Personal einsparen. Das Ziel soll mit einem Sanierungstarifvertrag erreicht werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach Angaben des Klinikums zurzeit kein Thema. Jedoch soll der Anteil der Personalausgaben am Gesamtbudget von derzeit rund 80 Prozent auf 60 Prozent gesenkt werden. Das Defizit wird für 2009 auf rund zehn Millionen Euro geschätzt. Der Kreis will ab 2010 nur noch 3,1 Millionen Euro pro Jahr zuschießen.

Tarifvertrag für drei Jahre

"Wir stehen noch ganz am Anfang. Es gibt noch keine Verhandlungen zum Sanierungstarifvertrag", sagt Betriebsratsvorsitzende Inge-Lore Kausen. Bevor die Gespräche beginnen, will die Gewerkschaft Verdi Gutachten erstellen lassen. Sie interessiert etwa, welche Auswirkung der geplante Neubau des Klinikums durch einen privaten Investor auf das Personal haben wird. "Die neuen Hochtaunuskliniken werden andere Stationstrukturen ermöglichen, die mit weniger Personal auskommen", sagt Kausen.

Für die Betriebsratschefin bedeutet eine Lohnkostensenkung nicht automatisch Gehaltsverzicht. Rein rechnerisch würden die Sparvorgaben sechs bis acht Prozent weniger Gehalt bedeuten. Kausen sieht beispielsweise weniger Urlaubstage oder eine längere Arbeitszeit als zusätzliche Verhandlungspunkte. Der Sanierungstarif soll drei Jahre gelten. "Die Richtung der Gespräche ist zurzeit offen", sagt sie. Unklar ist auch, ob es überhaupt zu Verhandlungen kommt. Denn darüber haben auch die Verdi-Mitglieder unter den Klinikumsbeschäftigten zu entscheiden. Auch über ein mögliches Verhandlungsergebnis würden sie abstimmen. Rund zehn Prozent der ungefähr 1000 Beschäftigten sind bei Verdi organisiert. Die Ärzteschaft wird von der Standesgewerkschaft Marburger Bund vertreten. Laut Inge-Lore Kausen müssten die Einbußen gehaltsabhängig gestaltet werden, um kleine Einkommen weniger zu belasten. Der Verzicht stelle kein Geschenk an das Klinikum dar. Die Mitarbeiter müssten ihren Sanierungsbeitrag zurückerhalten, fordert sie. Für betriebsbedingte Kündigungen sei derzeit die Hürde sehr hoch. Dies stünde überdies dem Patienteninteresse entgegen. "In den Jahren zuvor wurde drastisch Personal abgebaut. Mehr ist an Leistung nicht herauszuquetschen", sagt Kausen.

"Bis 2012 soll der Etat ausgeglichen sein. Das Ziel ist realistisch", sagt Geschäftsführerin Julia Hefty. Dazu sollen nicht nur dauerhaft die Personalausgaben reduziert werden. Auch höhere Einnahmen werden angestrebt: "Weniger als 50 Prozent der Patienten im Hochtaunuskreis lassen sich im Klinikum behandeln." Limburg, Frankfurt oder Bad Nauheim seien die bevorzugten Behandlungsorte.

Die Quote für die Hochtaunuskliniken soll um mindestens zehn Prozent angehoben werden. Hefty hofft hier auf die Wirkung des Neubaus. "Auf einigen Stationen gibt es nur eine Nasszelle", sagt sie über den Zustand des jetzigen Hauses. Auch das medizinische Angebot überzeugt offenbar Patienten nicht immer.

Letztes Mittel Kündigungen

Die Klinikchefin setzt auf einen zügigen Abschluss beim Sanierungstarif noch in diesem Jahr. "Wir alle wissen, in welchem finanziellen Zustand sich das Krankenhaus befindet", sagt sie. Als Ultima ratio kann sich Julia Hefty betriebsbedingte Entlassungen vorstellen. Aber: "Wir benötigen die Leute jedoch wieder mit der Eröffnung des Neubaus", sagt sie. Denn das medizinische Angebot soll erweitert werden, etwa um die Strahlentherapie.

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