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Persönliche Werke

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Von: Miriam Keilbach

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Chris Kappeller mit seiner Wandinstallation.
Chris Kappeller mit seiner Wandinstallation. © Monika Müller

Psychisch kranke Menschen stellen in der Englischen Kirche in Bad Homburg „Innenwelten 2“ aus. Die Werke entstanden im „Offenen Atelier“ der Diakonie. Dort treffen sich psychisch Kranke regelmäßig, um sich kreativ auszuleben.

Psychisch kranke Menschen stellen in der Englischen Kirche in Bad Homburg „Innenwelten 2“ aus. Die Werke entstanden im „Offenen Atelier“ der Diakonie. Dort treffen sich psychisch Kranke regelmäßig, um sich kreativ auszuleben.

Normalerweise malt Kala Gehrmann Figuren, die sich gegenüberstehen, zum Beispiel welche, die schwimmen. Nun steht sie vor einer Wandinstallation, ihrer eigenen. Sie ist sehr persönlich, sagt sie, noch fühlt sie ein wenig Verrat an ihrer Familie, an ihrer Herkunft. Sie macht mit der Wandinstallation den Missbrauch in ihrer Kindheit öffentlich.

„Die Tapete im Hintergrund erinnert mich an die 80er-Jahre“, sagt die Künstlerin noch etwas zurückhaltend. „Ich habe darauf Zitate aus meiner Vergangenheit geschrieben und Bilder draufgeklebt.“ Doch das sei ihr dann doch zu viel gewesen. „Deshalb habe ich alles verhängt“, sagt sie. Und doch schimmert die Vergangenheit durch.

Gehrmanns Wandinstallation hängt nun in der Englischen Kirche. Sie ist Teil der Ausstellung „Innenwelten 2“, die heute Abend um 19 Uhr mit einer Vernissage eröffnet wird. Die Stadt arbeitete für die Ausstellung mit dem Diakonischen Werk Hochtaunus zusammen. Die Diakonie hat ein „Offenes Atelier“, ein regelmäßiges Treffen psychisch kranker Menschen, die sich kreativ ausleben. Die Kunsttherapeuten Esther Scholz-Zerres und Andreas Hett sind zwar anwesend, wichtig sei aber der künstlerische Prozess, sagt die stellvertretende Diakonie-Leiterin Stefanie Limberg.

Chris Kappeller stellt ebenfalls eine Installation aus. Ein kleines Haus aus Karton. Wer es öffnet, findet eine Figur, deren Augen sich verändern, Geweihe und Lichter. Kappeller litt an einer Depression, über eine Tagesklinik wurde er auf das Projekt aufmerksam. „Es war in einer Situation, in der sonst nichts mehr ging, eine Möglichkeit, sich auszudrücken“, sagt er. In seiner Jugend zeichnete er viel, er führte gar ein gezeichnetes Tagebuch, doch im Berufsleben verlor er seine Leidenschaft.

„Ich spiele mit dem Kippen“, sagt er. „Es geht um Tag und Nacht, um schöne und erschreckende Träume“, sagt er. Unter dem Karton sind Auszüge aus einem Kinderbuch zu sehen.

Manuela Schilling malte ein Ölgemälde. Ein Frauenkörper, der einen Brautschleier auf dem Schweinekopf trägt. Drumherum sind Heroinspritzen, Alkoholflaschen und Zigaretten zu sehen. „Ich habe ein Hausschwein“, sagt sie. Sie liebt Schweine. „Das gibt einen anderen Blick auf die Bilder“, sagt Kulturdezernentin Beate Fleige (BLB).

Schon einmal stellten Künstler des Offenen Ateliers in der Englischen Kirche aus – im November 2012 zu einer Tagung. Die Ausstellung war aber nicht öffentlich. Für viele Künstler ist die öffentliche Schau ein großer Schritt. Gehrmann sagt: „Über Missbrauch spricht man nicht, sowas trägt man nicht nach außen.“

„Wir haben immer wieder Diskussionen darüber, ob wir die Bilder ausstellen. Einige Künstler wollen das, einige nicht, einige wollen nur bestimmte Bilder ausstellen“, sagt Kunsttherapeut Hett. Die Bilder hätten nicht immer solch eine Tiefe.

„Wir sollten auch nicht vergessen, dass wir nicht einfach nur so malen. Das gibt uns eine Tagesstruktur, wenn wir sonst nicht in die Gänge kommen würden“, sagt Schilling. Beim kreativen Arbeiten sprechen sie auch über ihre Krankheiten.

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