1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Pappmaschee und dreckige Luft

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Yannis Courbeaux  aus Ober-Erlenbach hat den preiswürdigen Umweltschutz-Baum gebaut.
Yannis Courbeaux aus Ober-Erlenbach hat den preiswürdigen Umweltschutz-Baum gebaut. © FR/Müller

Eine neue Heimat für den Steinkauz und mit Becherlupen im Teich - der Bad Homburger Umweltpreis geht an Kinder und Männer, die für den Naturschutz leben. Von Martina Propson-Hauck

Von Martina Propson-Hauck

Yannis strahlt wie ein Weltmeister. Er ist erst sieben und hat eben nicht nur einen ehrenvollen Händedruck vom Oberbürgermeister bekommen, sondern auch noch einen Umschlag mit 200 Euro. Das ist für einen Siebenjährigen schon sehr, sehr viel Geld. Noch besser aber sind die Fotografen: Yannis hat das Profilächeln einfach drauf.

Schließlich ist er eine Art Künstler, hat einen knapp einen Meter hohen Baum aus Pappmaschee gebastelt, ihn mit Blättern, Eicheln, Moos und allem, was er im Wald finden konnte, beklebt. Das sieht ziemlich knorzig und zugleich dekorativ und perfekt aus. Noch perfekter fand OB Michael Korwisi die Begründung, mit der er den Baum für den Umweltpreis eingereicht hat: "Ich wollte einen Baum basteln, weil ich in der Schule gelernt habe, dass Bäume aus dreckiger Luft wieder saubere Luft machen, und saubere Luft brauchen nicht nur wir Menschen. Darum mag ich Bäume."

Ganz nebenbei, lieber Yannis, da hat dir deine Lehrerin in der ersten Klasse der Paul-Maar-Schule allerdings noch etwas verschwiegen. Aber das mit der Photosynthese und, dass die bei Bäumen aus Pappmaschee ein wenig schwierig hinzubekommen ist, kommt sicher auch noch im Unterricht dran. Den Sonderpreis hast du dir allemal verdient.

Dass die Paul-Maar-Schule wohl eine richtige Umweltschule ist, zeigten 16 Kinder aus allen Klassenstufen mit ihrem Projekt "Teich, Bach und Tümpel unter der Lupe". Bis zu den Knien im Wasser erforschten sie mit Becherlupen und Netzen, was in den heimischen Gewässern so kreucht und schwimmt. Auch das war der Stadt einen Umweltpreis, dotiert mit 800 Euro, wert. Genauso viel bekamen die Bärenkinder von der Evangelischen Kita Kleine Strolche am Gluckensteinweg für ihren selbst bestellten Gemüsegarten. Zudem haben die Kinder am Weberpfad das Ufer des Kirdorfer Bachs gereinigt.

"Ich freue mich, dass so viele Kinder mitgemacht haben", sagte OB Korwisi bei der Preisverleihung im Kurhaus. Wirkungsvoller Umweltschutz sei allerdings nur möglich, wenn man ihn über Jahre hinweg betreibe. Nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte ihres Lebens engagierten sich denn auch die für ihr Lebenswerk als Umwelt- und Naturschützer ausgezeichneten Erwachsenen Dieter Damerow, Dieter Müller, Robert Wächtershäuser und Heinz Wahl.

Die vier stellen zusammen 175 Jahre gelebten Naturschutz dar. Damerow kümmert sich als Mitglied des BUND unter anderem engagiert um die Streuobstflächen im Kirdorfer Feld und war mehr als 40 Jahre lang der einzige Imker in Ober-Erlenbach.

Vogelfutter zahlt die Mama

Müller ist seit seiner Jugend Vogelschützer und hat geholfen, dort wieder Schleiereule, Steinkauz und Gartenrotschwanz anzusiedeln. Wächtershäuser kümmert sich um die Vögel rund um Ober-Eschbach, baut Nistkästen und pflanzt Obstbäume. Ähnlich wie Wahl aus Ober-Erlenbach, der auch im Naturschutzbeirat der Stadt war. Yannis übrigens behält die 200 Euro erst mal. Vogelfutter zu kaufen, wie ihm einige raten, will er nicht: Das zahlt die Mama.

Auch interessant

Kommentare