1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus

Pakt für gemeinsames Lernen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Götz Nawroth-Rapp

Kommentare

Der Förderunterricht an Regelschulen soll deutlich ausgebaut werden.
Der Förderunterricht an Regelschulen soll deutlich ausgebaut werden. © Michael Schick

Das Land Hessen und der Hochtaunuskreis wollen beeinträchtigten Schülern den Weg an eine Regelschule ebnen. Dazu beschließen beide eine Kooperation. Der Hochtaunuskreis wird damit zur zweiten Modellregion in Hessen.

Wenn Eltern für ihr behindertes Kind einen Platz an einer Regelschule bekommen wollen, haben sie oft auch in Hessen noch immer hohe Hürden zu überwinden. Etwa dann, wenn an der Wunschschule für die Betreuung benötigtes Fachpersonal fehlt. Dabei legt schon die UN-Behindertenrechtskonvention den Besuch einer Regelschule für beeinträchtigte Kinder und Jugendliche als den Normalfall fest. Auch im hessischen Schulgesetz gibt es einen entsprechenden Passus.

Um im Hochtaunuskreis die inklusive Bildung voranzubringen, also das gemeinsame Lernen von Schülern mit und ohne Behinderung, wurde gestern eine Kooperation mit dem Land geschlossen.

Der Kreis wird zur zweiten Modellregion in Hessen. Das Land verpflichtet sich, die Region bei der sonderpädagogischen Förderung besonders zu unterstützen und die Angebote auszuweiten. Für Lehrkräfte und Schulleiter sollen verstärkt Fortbildungen angeboten werden. Auch bei der Ausstattung der Räume soll den Schülern die bestmögliche Förderung zuteil werden.

Auf dem Weg zur Verbesserung und Verstärkung des inklusiven Unterrichts nehme der Hochtaunuskreis bereits jetzt eine herausragende Stellung ein, betonte Landrat Ulrich Krebs (CDU) bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages in Wehrheim. „Wir werden in die Qualität unserer Schulen auch künftig investieren, um weiterhin eine Vorreiterrolle einzunehmen.“

Dafür wird probeweise das gewohnte Schulmodell auf den Kopf gestellt: Beratungs- und Förderzentren sollen die geschulten Lehrkräfte zu den allgemeinen Schulen entsenden. Denn im Mittelpunkt der Entwicklung zur Modellregion steht „der Abbau stationärer Systeme“, wie Kreis und Land mitteilen.

Dabei sollen durchaus ausgetretene Pfade verlassen und neue Konzepte ausprobiert werden, die eine bessere Förderung versprechen. „Mit Hilfe der Modellregionen können Erfahrungen und Gelingensbedingungen gesammelt werden“, sagt denn auch Hessens Kultusministerin Nicola Beer (FDP). Fortschritte auf dem Gebiet sind allem Anschein nach auch dringend notwendig.

Denn obwohl behinderte Kinder und Jugendliche mit einer inklusiven Beschulung vor Ausgrenzung geschützt werden sollen, ist in Hessen seit 2009 der Anteil der in eigenen Förderschulen unterrichteten Behinderten noch leicht gestiegen. Das geht aus einer bundesweiten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor, die im Frühjahr veröffentlicht wurde.

Auch interessant

Kommentare