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Pädophiler gesteht

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Mitten in der Nacht steht der Mann auf, um sich heimlich Kinderpornos und Fotos anzuschauen. Die Ehefrau bemerkt von all dem nichts. Vor Gericht ist der 50 Jahre alte Mann geständig. Er will nun eine Therapie machen.

Von Jenny Hinz

Internet-Fahnder haben ihn auffliegen lassen. Dann stand die Polizei vor seiner Tür und beschlagnahmte seinen Computer. Martin Nieborn (Name geändert) speicherte darauf pornografische Kinderbilder. Mehr als 1300 Fotos und Videos sollen es gewesen sein. Der 50-jährige kaufmännische Angestellte aus Bad Homburg sitzt nun vor Gericht. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung am 29. September vergangenen Jahres fand die Polizei das verbotene Bildmaterial. Nieborn gestand sofort, verriet die Passwörter und gab einen USB-Stick voller Kinderpornos heraus.

Entwicklung zur Sucht

Der verheiratete, kinderlose Mann trägt einen grauen Vollbart und eine Brille und wirkt vollkommen unauffällig. Vor Gericht erzählt er am Freitag von seiner Sucht nach den Filmen und Bildern. Vor drei oder vier Jahren sei er zufällig auf die Kinderpornografie gestoßen. Doch dann habe er gezielt danach gesucht.

Nieborn erzählt, dass er sich zwischen 23 und 2 Uhr vor dem Computer die Filme und Bilder anschaute. Während dieser Zeit schlief seine Ehefrau bereits und bemerkte nichts von der Vorliebe ihres Mannes. Als die Polizei auftauchte, fielen beide aus allen Wolken. Zwei Wochen nach dem Abtransport der Pornosammlung begab sich Nieborn in Therapie. Alle 14 Tage geht er ins Frankfurter Informationszentrum für Männerfragen. In Einzel- und Gruppengesprächen versuchen dort Männer, ihre Sucht zu überwinden.

Therapeut Jochen Hoffmann betreut die Männer mit pädophilen Neigungen. „Jeder Mensch hat eine eigene Triebstruktur, durch die er sich zu bestimmten Dingen hingezogen fühlt. Durch die Erziehung lernt der Mensch aber, dass einige Neigungen in der Gesellschaft verboten sind und nicht akzeptiert werden“, erklärt Hoffmann. Meist fange alles mit Erwachsenenpornos an. „Irgendwann verlieren sie jedoch ihren Reiz. Vielen Menschen gibt es einen Kick, verbotene Dinge zu tun und sich dann Kinderpornografie anzuschauen“, so Hoffmann.

Martin Nieborn ist nicht vorbestraft und zeigte sich bei den Ermittlungen kooperativ. Außerdem hat er sich freiwillig in Therapie begeben. Das kommt ihm vor Gericht zugute. Gegen ihn spricht das viele Bildmaterial, das bei ihm sichergestellt wurde. Computer und USB-Stick werden von der Justiz vernichtet.

Das Gericht verurteilt den Bad Homburger zu acht Monaten Haft auf Bewährung. Zur Therapie soll Nieborn noch mindestens ein halbes Jahr gehen. Laut seinem Therapeuten mache er gute Fortschritte.

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