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Chinesische Begeisterung auf der Baustelle "Ökosiedlung.

Friedrichsdorf

App und Öko-Dach

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Eine chinesische Delegation besucht die Baustelle für die Ökosiedlung am Rande von Friedrichsdorf.

Anfragen aus China seien für die Stadtverwaltung nicht ungewöhnlich, sagt Ulrich Nützel, Leiter der kommunalen Planungsabteilung. Am Donnerstag hatte sich also eine weitere Delegation – zwölf Manager des Quingdao Sino-German Ecoparks – eingefunden, um dem jüngsten Friedrichsdorfer Großbauvorhaben nachzuspüren. 

Während im chinesischen Herkunftsbezirk ein weiträumiger „Öko-Gewerbepark“ mit deutscher Beteiligung entsteht, lassen Taunuskommune und Frank-Gruppe eine „Ökosiedlung“ neben der Homburger Landstraße hochwachsen. Was vor acht Jahren begonnen und seit Ende 2017 auf einem sieben Hektar großen Gelände am nordöstlichen Stadtrand baulich umgesetzt wird, soll „Leuchtturmwirkung“ entfalten. 

Für das „ganzheitliche Projekt“ sind fünf Vorgaben substanziell: ökologische Bauweise, alternative Energieversorgung, modernes Verkehrskonzept, Durchmischung der künftigen Bewohnerschaft, Erhalt alten Baumbestands nebst Schaffung vieler Grünflächen. Da dürfen Kindertages- und Seniorenwohnstätte im selben Gebäude unterkommen, Flachdächer als Wassersammler funktionieren, „Eisspeicher“, PVT-System und Blockheizwerk die „Nahwärme“ sichern. 

Neben den verschiedenen Haustypen im Miet- oder Eigentumsstatus ist ein Wohnturm aus Holz ebenso vorgesehen wie Carsharing-Modell und Quartiers-App. Wie Ulrich Nützel berichtet, sind die meisten der aktuell im Rohbau befindlichen „Gartenstadthäuser“ schon verkauft. Verantwortlich für Aufbau und Vermarktung ist die in Hamburg ansässige Frank-Beteiligungsgesellschaft. Die Stadt Friedrichsdorf hatte als Eigentümerin des Geländes durch den Verkauf des Baugebiets mehr als zwölf Millionen Euro erzielt. 

Nach einem knappen Jahr Bauzeit erheben sich die Mauern des ersten Fertigungsabschnitts in den Novemberhimmel. In einer Grube von Tiefgaragenausmaßen wird betoniert. In zwölf Monaten soll die zweite Phase beginnen, ein Bezirk, in dem Doppel-, Ketten- und Hofhäuser stehen werden.  Am Ende – 2021 ist vorgesehen – zeigt sich die „einheitliche Architektursprache“ mit offenen Strukturen und durchlässigen Fronten. 

In Reihen der chinesischen Abordnung ist das Interesse am nachhaltigen Aspekt groß. Gefragt wird nach Dachbegrünung, Baumaterial, Pflanzenwelt. Ob die Friedrichsdorfer Ideen in Quingdao – zwischen 1898 und 1919 eine Kolonie des damaligen Deutschen Reichs - fruchten werden, bleibt abzuwarten.

Abzuwarten ist auch, wie sich der Verkehrsfluss auf der Homburger Landstraße in einigen Monaten darstellt. 2019 werde, so Stadtplaner Nützel, mit dem Bau eines neuen Kreisels begonnen. Damit Hugenotten- und Ökosiedlung zueinander finden. 

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