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Die „Friedensmeile“ in der Adenauer-Allee rund um das Kriegerdenkmal ist in diesem Jahr kein Fest, sondern nur eine Ausstellung. Bild: Monika Müller

Oberursel

Oberursels Kultur trotzt Corona

  • vonJürgen Streicher
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Erfolgreicher Sommer trotz Pandemie: Mutige Kulturmacher werden mit Lob, Dank und klingender Münze belohnt

Wo gibt’s denn so was? Eine Frage, die Dirk Müller-Kästner in diesem Sommer oft gehört hat. Im Corona-Sommer 2020, in dem es landauf, landab eigentlich nur Absagen hagelte, wenn es um geplante Kulturveranstaltungen und andere Events ging. Ereignisse, bei denen sich Menschen in größeren Mengen versammeln, um den Sommer mit Begleitprogramm meistens im Freien zu genießen. „Bei uns“, konnte Müller-Kästner da stets antworten, nun, wo der Sommer langsam ausklingt, auch mit viel Stolz.

In Oberursel hat es der kleine Verein „Kunstgriff“ geschafft, einen „Orscheler Sommer“ aus dem Hut zu zaubern, der dem Sommerkulturprogramm vergangener Jahre in Quantität und Qualität kaum nachstand. „Wir gucken, was machbar ist, und dann legen wir los“, das war die Maxime, mit der die Kunstgreifer laut Vereinschef Müller-Kästner starteten, als die interne Grundsatzentscheidung gefallen war. „Ja, wir wollen“, lautete diese, sich selbst und dem treuen Publikum verpflichtet.

Im Kulturamt der Stadt gab es wichtige Fürsprecher, auch im ebenso wichtigen Ordnungsamt, das gemeinsam entwickelte Hygienekonzept konnte stets an veränderte Landes- oder Bundesvorgaben angepasst werden. Binnen drei Tagen wurde das modifizierte Programm mit zum Teil neuen Bands aus dem Boden gestampft, Müller-Kästner konnte sich auf einen Stamm von 50 Helfern aus dem Verein verlassen. Mit dem Hof der Grundschule Mitte in der Altstadt wurde eine perfekte Location für den Großteil der Veranstaltungen gefunden. Umzäunt, mit kontrollierbarem Ein- und Ausgang, genügend Abstandsflächen, guter Toilettenstruktur. Kunstgriff-Chef Müller-Kästner: „Wir haben alle Regeln eingehalten, es hat funktioniert, vielleicht war es ein Muster auch für andere Veranstaltungen.“

„Orscheler Sommer … aber sicher!“, so stand’s doppeldeutig auf den Werbeplakaten. Die vielen Fans des Kulturprogramms zwischen Juni und September haben es den Veranstaltern gedankt, mit unglaublich vielen Dankesworten für das Engagement des Kunstgriffs und dessen Helfern und Partnern, vor allem aber mit ihrer Disziplin beim Einhalten der Regeln. Kein Gedränge am Eingang nach Online-Anmeldung, kein Problem in der Fläche, schnell konnte von maximal 100 Besuchern auf 250 aufgestockt werden.

Das Ordnungsamt schickte per Whatsapp „ein ganz dickes Lob“, Müller-Kästner hat ausnahmslos „positive Resonanz“ registriert. 15 bei freiem Eintritt „ausverkaufte“ Musik-, Theater-, Poetry-Slam- und Frühschoppen-mit-Musik-Veranstaltungen, dazu drei Open-Air-Kino-Abende bei vollem Haus, sonntags „Yoga im Rushmoor-Park“ und geführte Radtouren nach Frankfurt sowie mit dem Montainbike durch den Taunus.

„Die Leute waren so glücklich und vielleicht deshalb auch immer diszipliniert.“ Selbst finanziell hat alles gestimmt, „besser als sonst“, so der Chef-Organisator. Früher sind sie mit dem Hut rumgegangen, diesmal stand eine Spendenbox bereit. So viel sei noch nie in die Kasse gekommen, heißt es, in den Jahren zuvor musste man immer bei der Stadt um einen Nachschlag bitten. Im Sommer 2020 war das nicht nötig.

Natürlich mussten Abstriche gemacht werden. So konnte das traditionelle Fischerstechen mit viel Publikum und Wettkämpfern auf knappem Raum nicht stattfinden, mussten geplante Chor- und Sinfonie-Orchester-Konzerte auf der Großbühne Bleiche und auch das ebenso traditionelle Seifenkistenrennen in der Geburtsstadt dieses skurrilen Sports abgesagt werden.

Und leider kann auch das große Afrika-Festival zum Finale, geplant für das kommende Wochenende, zum Leidwesen von Veranstalter und Akteuren nicht stattfinden. Die „Oberurseler Friedensmeile“, in diesem Jahr Ausstellung statt Friedensfest, steht noch bis morgen in der Adenauerallee und markiert das Ende des „Orscheler Sommer“.

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