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Der Bundesverband der Motorradfahrer und die Hessische Polizei kontrollieren am Sandplacken gemeinsam.

Oberursel

Verstärkte Kontrollen im Taunus

  • vonJürgen Streicher
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Organisierte Biker und die Polizei werben im Taunus mit der Kampagne: „Du hast es in der Hand“ für Rücksicht und einen sozial verträglichen Fahrstil.

Biker sind im Taunus willkommen.“ Es ist ein wichtiger Satz, den Oliver Link sagt, der Leiter des regionalen Verkehrsdienstes der Polizeidirektion Hochtaunus. Der Taunus und das Feldberggebiet, sie sind ein Lieblingsgebiet schwer motorisierter Biker, vor allem an Wochenenden in den warmen Monaten. Dann machen Zweiräder mit viel PS und enorm viel Kraft in den Maschinen manchmal bis zu einem Drittel aller Fahrzeuge auf den Straßen im Hochtaunuskreis aus. „Das hat Tradition“, sagt Link, „und das soll auch so bleiben“.

Damit es so bleiben kann, suchen Polizei und im Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) organisierte Biker verstärkt den Schulterschluss. Kooperation statt Konfrontation, unter dem Leitgedanken „Dialog, Einsicht, Verhaltensänderung“ stand die jüngste Aktion gestern an einem der Hot-Spots der Region. Eigenverantwortung sollte vermittelt werden, der Slogan lautet „Du hast es in der Hand“. Der Platz am Sandplacken, an dem zur „Polizei-Kontrolle“ gebeten wird, liegt direkt an der so genannten „Kanonenstraße“, nur ein paar Kehren oberhalb der berühmten und berüchtigten „Applauskurve“ auf halber Höhe zwischen Hohemark und Sandplacken.

Das Verhalten vieler Biker speziell im Bereich dieser Kurve hat viel zum schlechten Image der Szene beigetragen. Riskante und aggressive Fahrmanöver, Lärmspiele mit manipulierten Schalldämpfern, Raserei bei verabredeten Rennen auf öffentlicher Straße. „Der Großteil benimmt sich regelkonform“, beschwichtigt der Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen, Ingo Paul. Verstärkte Kontrollen, vor allem seit der zweimaligen temporären Schließung der Zufahrt zum Großen Feldberg für Biker im Mai und September, haben die Wogen geglättet.

Nur Wenige fallen auf

Es sind nur wenige, die den Ruf der „Branche“ extrem beschädigen, darin sind sich Polizei, BVDM und Behörden einig. Ein „paar Verrückte“, die den anderen den Spaß verderben. Sind die Helme abgesetzt, stecken darunter viele graumelierte Köpfe, die das wahnsinnige Rennalter hinter sich gelassen haben. Meist Männer, die zu ihrem Vergnügen und ein bisschen Adrenalinausstoß die Taunuskurven durchfahren und ungern zu „potenziellen Organspendern“ werden, wie die „Kurvenkratzer“ und Geschwindigkeitsjunkies mit ihren aufgemotzten Maschinen in der Szene auch genannt werden.

Jene Spielverderber sollen bei den Kontrollen rausgefischt werden, bei Verstößen werden nicht korrekt getunte Maschinen schnell aus dem Verkehr gezogen. Das wirkt, auch am Sonntag beim Großeinsatz auf dem Sandplacken bleibt die Stimmung entspannt, es gibt kaum Beanstandungen an den meist absoluten High-Tech-Motorrädern. „Wir unterstützen das“, sagt BVDM-Pressesprecher Rainald Mohr aus Bad Homburg. „Wir wollen, dass sich alle an die Spielregeln halten und sozialverträglich fahren.“ Das Polizeipräsidium Westhessen hat die Zahl der Kontrollen seit der hitzigen Debatte im vergangenen Sommer von 20 auf 80 erhöht, verstärkt auch parallel in kleinen Gruppen in der Fläche, um die Warnmechanismen vor solchen Kontrollen in der „vernetzten Community“ (Ingo Paul) verpuffen zu lassen.

Wenn ein Anwohner den Erfolg der Maßnahmen attestiert, dann dürfte dies ihre Wirksamkeit seriös bestätigen. Götz Rinn, einer der Beschwerdeführer, obwohl selbst Biker, tut dies. Die Anwohner seien „dankbar für den Polizeieinsatz“, die Zahl der Lärmbeschwerden gehe massiv zurück, „nur noch wenige Vollpfosten sind unterwegs“, so Rinn.

Dazu nicken auch Oliver Link und Peter Riegel, Leiter der Straßenverkehrsbehörde im Hochtaunuskreis. Die Unfallzahlen seien auch im Corona-Sommer mit wesentlich mehr aktiven Motorrad- und Fahrradsportlern nicht gestiegen, „sie sind nicht erschreckend hoch“, so Link. Er gehörte schon im vergangenen Sommer zu den Verfechtern, dass „eine generelle Sperrung der höchsten Taunusgipfel keine Option ist“. Jetzt liegen alle Zahlen vor, von Lärmmessungen und Ausweichrouten, von Unfallereignissen und Geschwindigkeitskontrollen, „diskutiert wird weiter ergebnisoffen“. Hörte sich gestern auf dem Sandplacken nicht so an, als gäbe es ernsthafte Forderungen, Straßensperrungen für Biker durchzusetzen.

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