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Viele Fragen zu Neubaugebiet offen

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Eine Präsentation zeigte, wie das künftige Baugebiet aussehen soll. reimer
Eine Präsentation zeigte, wie das künftige Baugebiet aussehen soll. reimer © mrm

Bürgerinformationsabend über „Mutter-Theresa-Straße“ in Bommersheim

Oberursel - Stadt und Investor drücken auf die Tube: Hinter Wall- und Bommersheimer Straße, wo sich heute Grün- und Ackerflächen finden, könnten schon im kommenden Sommer, genauer gesagt „ab dem dritten Quartal 2023“, die Bagger rollen. Das erklärten Stadtplanungschef Daniel Bauer und Filip John, Geschäftsführer des kirchlichen Gemeinnützigen Siedlungswerk (GSW, Frankfurt), beim Infoabend zum geplanten Bommersheimer Baugebiet Mutter-Teresa-Straße.

Das Interesse war groß: Der Einladung der Stadt und des Ortsbeirats waren rund 200 Interessierte in die Burgwiesenhalle gefolgt, darunter viele direkte Anwohner. Was auch zu erwarten war: Das Projekt, um das es zuletzt still geworden war, ist umstritten, seit es auf dem Tisch liegt. Schon Ende 2018 fasste das Stadtparlament den Aufstellungsbeschluss. Ursprünglich sah der B-Plan Mutter-Teresa-Straße - die in dem Gebiet entstehen soll - rund 140 Wohnungen in neun Mehrfamilienhäusern vor, die um einen zentralen Platz angeordnet werden sollten.

Im vergangenen Jahr dann wurde das Konzept aufgrund der Einwände im Rahmen der Offenlage Anfang 2020 - unter anderem von der Bürgerinitiative - überarbeitet, wie Bauer erinnerte. Beim Info-Abend ging es um die veränderten Pläne. Aber: Auf viele Fragen und Sorgen, die die Bommersheimer umtreiben, gibt es nach wie vor keine Antwort.

Doch von vorn: Das aktuelle bauliche Konzept sieht die Anordnung von sechs Mehrfamilienhäusern an einem zentralen Weg vor. Dort will das GSW insgesamt 75 Eigentums- und Mietwohnungen - frei finanziert, also zu Marktpreisen - unterbringen.

Auch geförderter Wohnraum soll entstehen: gegenüber, in zwei L-förmigen Baukörpern. „Wenn gebaut wird, dann mit bezahlbarem Wohnraum. In Bommersheim entstehen weitere preisgünstige Wohnungen, deshalb freue ich mich, dass es hier weitergeht“, sagte Rathauschefin Antje Runge (SPD).

Noch mehr Verkehr befürchtet

In den beiden Häusern sollen laut GSW 33 bezahlbare Wohnungen Platz finden. Darüber hinaus soll der Weg in dem rund 1,8 Hektar großen Plangebiet für weitere Baugrundstücke freigemacht werden: Acht Doppelhaushälften und ein Einfamilienhaus sollen zur Wallstraße hin entstehen - für die dortigen Anwohner gedacht als „sanfte Übergangszone“ zur höheren und dichteren Wohnbebauung im Herzen des Quartiers. Diese Häuser wird allerdings nicht das GSW bauen, die Flächen gehören privaten Eigentümern.

Das Gleiche gilt für einen weiteren Block zur Bommersheimer Straße hin, in dem laut Bauer rund 20 zusätzliche Wohnungen entstehen könnten. Die Erschließung des Gebiets über die Bommersheimer und die Wallstraße sei „gesichert“, sagte Bauer zum Thema Verkehr. Nach einer Untersuchung im Rahmen des B-Plan-Verfahrens gehe man von „moderaten Mehrbelastungen“ des Straßennetzes aus, die zu erwarten seien. „Sie sind mit der bestehenden Wohnnutzung gut verträglich“, betonte Bauer.

Insgesamt geht es im Plangebiet also um rund 140 neue Wohneinheiten, 108 davon will das GSW bauen.

Dazu plane man einen kleinen öffentlichen Platz mit Sitzbänken, in dem die „grüne, alleeartige Durchwegung“ ende, einen Bereich für einen Spielplatz und auf der anderen Seite eine „Pergolakonstruktion“ als Treffpunkt am Feldrand, erläuterte Projektleiter Peter Lippert.

Auf den Dächern wolle man „ein Maximum an Photovoltaik“ nutzen, sagte Lippert, außerdem sollen sie begrünt werden. In Sachen Parkplätze halte man sich an die städtische Stellplatzsatzung: In einer Tiefgarage sollen 88 Stellplätze Platz finden, weitere 30 sind oberirdisch geplant, außerdem elf Besucherparkplätze und drei für Carsharing-Fahrzeuge. Ob die Stellplätze ausreichen? Viele Bommersheimer bezweifeln es. „Das Parken in der Bommersheimer Straße ist jetzt schon eine Katastrophe“, meldete sich eine Anwohnerin zu Wort. „Und wenn die Stellplätze die Mieter etwas kosten, wird sie sowieso keiner mieten.“ Ganz abgesehen davon hätten viele Familien zwei Fahrzeuge. Zum Verkehr gab es zahlreiche weitere Wortbeiträge - das Thema brennt den Bommersheimern unter den Nägeln, Rathauschefin Runge versprach einen Vor-Ort-Termin.

Der eigentliche Knotenpunkt sei auf keiner Folie dargestellt, monierte ein Anwohner, mehrere andere berichteten: „Die Straßen sind jetzt schon überlastet, wenn man morgens aus Bommersheim raus will.“ Jetzt solle wieder gebaut werden, in der Größenordnung: „Das passt einfach alles nicht.“ Andere sorgen sich wegen der Flächenversiegelung. „Bevor man die Probleme mit einem neuem Baugebiet verschärft, gilt es, die Infrastruktur anzugehen“, so ein Anwohner.

Und Ortsvorsteher Steffen Wolf (OBG) fasste zusammen: „Bommersheim ist für dieses Projekt noch nicht bereit.“ mrm

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