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Unterstützung auf dem letzten Weg

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Professionelle und ehrenamtliche Hospizarbeit wird auch künftig wichtig sein. dpa
Professionelle und ehrenamtliche Hospizarbeit wird auch künftig wichtig sein. dpa © picture-alliance/ dpa

Hospiz St. Barbara hat in zehn Jahren mehr als 1500 Menschen aufgenommen

Oberursel - Am 4. Oktober 2012 konnte der Caritasverband Hochtaunus im neu eröffneten Hospiz St. Barbara in Oberursel den ersten Gast begrüßen. Jetzt fand anlässlich des zehnjährigen Bestehens und des 20-jährigen Bestehens des ambulanten Hospizdienstes ein Festakt im Gemeindezentrum St. Marien in Bad Homburg statt. Er war Gelegenheit, Mitarbeitern für ihr Engagement zu danken und deren Arbeit zu würdigen, aber auch, um Herausforderungen anzusprechen und einen Blick in die Zukunft der Hospizarbeit zu werfen. Vertreter verschiedener Wohlfahrtsverbände, Förderer und Ehrenamtliche, Eugenie Riffel, Vorstandsmitglied der Caritas Hochtaunus, der erste Kreisbeigeordnete des Thorsten Schorr (CDU), die ehemalige Hospiz-Geschäftsführerin Karin Dhonau und Hospizleiterin Astrid Dittrich waren da.

„Ich begleite dich!“ So führte Eugenie Riffel ein. Sterben und Tod seien kein leichtes Thema. „Und doch möchten wir uns mit dem Tod beschäftigen.“ Wenn ein Mensch schwer krank und die Zeit des Abschiednehmens gekommen sei, sei dies für Beteiligte eine komplett neue Lebenssituation. Wenn die Zeit sich dem Ende nähert, suche jeder nach Möglichkeiten und Unterstützung, seinen individuellen Weg zu finden und kleine Dinge im Leben noch mal zu genießen. „Menschen wollen leben, auch und besonders dann, wenn sie sterben“, betonte Riffel. Die Hospizhelfer leisteten hier einen großen Beitrag. Sie stillen Schmerzen und erfüllen Wünsche der todkranken Gäste. Das kann dann schon der einfache Wunsch nach dem Lieblingsgericht sein. Aber auch die Begleitung der Angehörigen und Freunde übernehmen die Mitarbeiter, spenden Trost und leisten Beistand. Schorr dankte im Namen des Landrats Ulrich Krebs (CDU). Gerade die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig menschliche Nähe, persönlicher Kontakt und unmittelbare Zuwendung seien. Diese ließen sich nicht wegdigitalisieren, sondern verdeutlichten den Wert der Hospizarbeit. Über 1 500 Menschen haben die Mitarbeiter auf ihrem letzten Weg begleitet. Diese eindrucksvolle Zahl verdeutliche, wie wichtig die Hospizarbeit sei. Schorr hatte als Kuratoriumsvorsitzender der Rind’schen Bürgerstiftung auch ein Geschenk in Form eines Schecks über 10 000 Euro im Gepäck, das er der Hospizführung feierlich überreichte.

Viele Herausforderungen für die Zukunft

Dass Hospizarbeit nicht nur erfüllend, sondern auch herausfordernd ist, verdeutlichten Astrid Piester, Abteilungsleiterin der Altenpflege, und Hospizleiterin Stefanie Dittrich im Anschluss. Die Form der Hospizbegleitung habe sich verändert, sagt Piester. In den vergangenen Jahren hätte eine starke Verkürzung der Verweildauer in Hospizen stattgefunden. Menschen kämen zu spät in die Einrichtungen, weshalb zu Pflegende und Angehörige nicht mehr fürsorglich versorgt und begleitet, in ihren Ängsten und Nöten aufgefangen werden könnten. Früher habe man einen Meridianwert von 60 Tagen gehabt. Heute läge man in Hessen bei 15 Tagen. Daran sehe man, wie anstrengend und verdichtet die Arbeit geworden sei, verdeutlicht Piester. Daher sei es ihr ein Anliegen, das Versorgungssystem kritisch zu beleuchten, denn wenn Patienten länger bleiben, bekomme das Hospiz keine Verlängerung mehr genehmigt, verliere seine Notwendigkeit und die Patienten werden in gewöhnlichen Alten- oder Pflegeheimen untergebracht. Viele würden dort nur noch kurze Zeit verbleiben. Da stelle sich schon die Frage nach Lebensqualität, nur weil Menschen nicht innerhalb eines gewissen Zeitraumes versterben. „Darauf sollte man aufmerksam machen.“ Auch Stefanie Dittrich nutzte die Gelegenheit, Herausforderungen anzusprechen, wie die Digitalisierung und die Zunahme des Verwaltungsaufwandes. Genehmigungen für stationäre Aufnahmen seien zeitaufwendiger und bürokratischer geworden. Die zeitnahe Umsetzung der Digitalisierung sei daher unbedingt notwendig. Derzeit werde das System auf papierfreies Arbeiten umgestellt. Zudem seien die Energiekrise und damit verbundene Preissteigerungen ein Problem. Reduzierung von Gas und Strom sei in einer Einrichtung mit schwerstkranken Menschen nicht umsetzbar. Der demografische Wandel und Fachkräftemangel bei rasantem Anstieg der Pflegebedürftigen bereiten Probleme. Zudem seien veränderte Familienstrukturen mit weniger oder entfernt wohnenden Angehörigen wegen reduzierter Unterstützungsleistung ein Problem. Gespräche über Suizid belasten Mitarbeiter, daher müsse das Haupt- und Ehrenamt und Suizidprävention gestärkt werden. „Menschen nehmen von Suizidgedanken Abschied, wenn sie sich gut versorgt wissen“, so Dittrich. Die Gewinnung von Ehrenamtlichen müsse forciert, die Ausbildung ausgebaut und aktualisiert werden.

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