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Unerwartete Lichtblicke im Elend

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Im Frauenschutzhaus leben 57 Frauen und mehrere Babys. nandri kinderhilfe
Im Frauenschutzhaus leben 57 Frauen und mehrere Babys. nandri kinderhilfe © Nandri Kinderhilfe

Nandri Kinderhilfe wieder bei ihren Projekten in Indien / Neues Frauenschutzhaus

Oberursel - Noch kann sich Dr. Steffen Roehn daran erinnern, wie er und die anderen im März 2020 mit dem letzten Flieger aus Indien zurück gen Heimat reisten. „Dann schlug Corona zu“, sagt Roehn, stellvertretender Vorsitzender des gemeinnützigen Oberurseler Vereins Nandri Kinderhilfe. Vor wenigen Wochen konnten Roehn, der die Vereinsprojekte vor Ort betreut, seine Frau und treue Sponsoren zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie wieder nach Indien reisen: Im Bundesstaat Tamil Nadu verbrachte die Gruppe 21 Tage und überzeugte sich davon, dass die Arbeit der Nandri-Sozialarbeiterinnen und -Lehrerinnen fast weitergeht wie vor Corona.

Aktuell unterstützt der rund 60 Mitglieder starke Verein insgesamt 500 Kinder und deren Familien bei Ernährung, Bildung und Ausbildung, die ihnen die Chance auf ein besseres Leben eröffnen. „Wir müssen Bildung in dieses Land bringen, das ist am nachhaltigsten“, sagt Monika Gerbas, Gründerin und Vorsitzende des Vereins. Wegen einer Hüftoperation konnte die 86-Jährige die jüngste Reise nicht wie geplant antreten. „Aber ich schnappe mir einfach meinen Enkel und wir fliegen dieses Jahr.“ Was dann genau 25 Jahre nach ihrer ersten Reise nach Indien wäre, die Gerbas 1998 unternahm, um ihr damaliges Patenkind zu besuchen. Nachdem sie die Armut gesehen hatte, in der die Kinder damals in einem Waisenhaus lebten, versprach sie zu helfen. Im August 2005 gründete sie in ihrem Oberurseler Wohnzimmer mit zehn Mitstreitern den Verein. Heute ist die Little Flower High School in der Nähe von Chennai eines der wichtigsten Projekte von Nandri. „2007 habe ich die Schule gefunden. Mit 100 hungernden Kindern, die auf dem Boden der Klassenzimmer schliefen und aus Pfützen tranken. Die Schule sollte geschlossen werden“, erinnert sich Gerbas. „Wir haben dann eingegriffen.“ Nandri ließ einen Trinkwasserbrunnen bohren, Toiletten für die Kinder bauen, die zuvor in den Busch gingen, wo Giftschlangen lauerten, später wurde noch ein Wohnheim errichtet. Seit 2007 unterstützt und finanziert der Verein die Schule kontinuierlich. „Als wir nach der langen Pause in Indien waren, wussten wir selbst nicht genau, was uns erwarten würde“, sagt Roehn.

Überall Fortschritte

Die Sorgen stellten sich als unbegründet heraus, freut sich der 58-Jährige: „Unsere Projekte laufen gut, überall war der Fortschritt mit Händen zu greifen. Die Spenden kommen an.“ Die Little Flower High School, die mittlerweile über zehn Klassenstufen verfügt, besuchen 200 Kinder. „Und jetzt kann unser Schuldirektor auch wieder in die Ziegeleien gehen und dort um die jüngeren Kinder werben.“

In der Little Flower High School lernen die Ärmsten der Armen: Hauptsächlich Kinder von Wanderarbeitern, die oft schon mit fünf, sechs Jahren wie ihre Eltern in den Ziegelfabriken in der Region schuften. „Das Konzept der Schule ist, sie aus der Kinderarbeit zu holen. Die Eltern haben selbst als Kinder nichts gelernt. Es hat Jahre gedauert, ihnen den Wert von Bildung zu vermitteln, wir erklären ihnen, wie wichtig es ist, ihre Kinder auf die Schule zu geben.“ Manchen zahlt der Verein dann ausnahmsweise sogar ein wenig Geld - schließlich fehle eine Arbeitskraft. „Wir haben uns so gefreut, die Kinder, Direktor Arputham und die Lehrerinnen nach fast drei Jahren wiederzusehen. Die Schülerinnen und Schüler standen mit Rosen in der Hand Spalier, das hat uns sehr gerührt“, erzählt Roehn.

Die Gruppe inspizierte die Gebäude, schaute sich den Unterricht an, verteilte Kleidung, die neuen Schulbücher und sprach mit geförderten Studenten.

Auch das neue Frauenschutzhaus einer Sozialarbeiterin in Madurai, das Nandri seit Kurzem unterstützt, schauten Roehn und die anderen sich an. „Diese Frauen sind Ausgestoßene, Sie können sich das nicht vorstellen! Die Familien werfen sie wie Müll auf die Straße. Viele wurden missbraucht, sind traumatisiert, psychisch und körperlich schwerkrank“, berichtet Roehn.

Das Haus, in dem die aktuell 57 Frauen und ihre Babys einen geregelten Tagesablauf haben und medizinisch versorgt werden, habe ihnen das Leben gerettet. Nandri will es weiterhin unterstützen - dazu stehen Instandhaltungsmaßnahmen an der Schule und in den Dorfzentren an. mrm

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