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Ukrainische Schulkinder vernetzen

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Thomas Kelly (vorne) überreicht einen Laptop an Olga Maroof für ihren elf Jahre alten Sohn. cg
Thomas Kelly (vorne) überreicht einen Laptop an Olga Maroof für ihren elf Jahre alten Sohn. cg © cg

Dank großer Spende stattet Verein Windrose Geflüchtete mit Laptops aus

Oberursel - Ein bisschen schüchtern betritt der Schuljunge das Kulturcafé Windrose in der Strackgasse. Sofort nehmen sich Dolmetscherin Ljuba Wegmann und Computer-Spezialist Thomas Kelly seiner an. Der junge Ukrainer ist hier, weil sein Laptop den Geist aufgegeben hat. Kelly überreicht ihm ein funktionierendes Gerät, erklärt ihm kurz ein paar Funktionen, und der Bub geht glücklich nach Hause. Mehr als 250 Geräte hat der Internationale Verein Windrose inzwischen an geflüchtete Schulkinder ausgegeben. Die Laptops ermöglichen es den Kindern, am Schulunterricht in ihrer Heimat teilzunehmen.

Die Geräte sind gespendet. „Im wesentlichen sind es Leasing-Rückläufer“, erklärt Windrose-Vorsitzender Reinhard Dunger. Das erkläre den relativ günstigen Preis. Einen größeren Posten an 70 Laptops konnte der Verein jetzt dank einer Geldspende der Johanniter Hilfsgemeinschaft Taunus in Höhe von 10 000 Euro kaufen. Der Vorsitzende der Hilfsgemeinschaft, Johann von Pachelbel, war zusammen mit Christoph Butz, Leiter der Subkommende Kronberg im Johanniter-Orden, ins Kulturcafé Windrose gekommen, um bei der Übergabe einiger Laptops dabei zu sein. Er nennt die handlichen Computer „ein gutes Mittel der Integration“. Und er betont: „Sie helfen der ganzen Familie.“ Eines der vorrangigen Ziele der Hilfsgemeinschaft sei es, Flüchtlingen, die in Not sind, beizustehen.

Eine ukrainische Mutter tritt ein und nimmt einen Laptop für ihren elf Jahre alten Sohn in Empfang. „Das ist eine große Hilfe“, sagt sie. Damit sich die Geflüchteten gut auf den Geräten zurechtfinden, hat Kelly das Programm Windows auf Ukrainisch installiert. Er leitet ehrenamtlich das „Computer-Flickwerk“ der Windrose, das im Jahr 2020 in Anlehnung an die vereinseigene Fahrrad-Werkstatt „Flickwerk“ entstanden ist. „Als 2020 wegen der Pandemie Fernunterricht verordnet wurde, hatten viele Kinder von Geflüchteten keinen Zugang zu einem Computer“, erklärt er.

ENGAGEMENT

Seit 1976 engagiert sich der Verein Windrose für die Integration ausländischer Mitbürger. Damals half er vor allem sogenannten Gastarbeitern aus Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und dem damaligen Jugoslawien heimisch zu werden.

Unter anderem gehörten Begleitungen zu Arztbesuchen und bei Behördengängen dazu.

Der Verein bietet auch heute unter anderem Patenschaftsprojekte an, bei denen ehrenamtliche Mitglieder Kindern und Familien durch direkten und freundschaftlichen Kontakt in allen Lebenslagen helfen.

Koordiniert werden diese von Christel Tampé, die auch die Idee hatte, bei der Johanniter Hilfsgemeinschaft um die Laptop-Spende zu bitten. cg

Kontakt in Heimat halten

Die Windrose sprang ein, und Kelly, der als Datenbanken-Spezialist bei der Deutschen Bahn arbeitet, bereitete die gespendeten Geräte auf und spielte kostenfreie Programme auf. Damals, vor dem Russischen Krieg in der Ukraine, half der Verein vor allem Menschen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und Äthiopien. „Für geflüchtete Ukrainer sind Laptops, Tablets und Mobiltelefone oft die einzige Möglichkeit, mit ihren Verwandten, die im Land geblieben sind, Kontakt zu halten“, sagt Kelly.

Dann erzählt er von herzzerreißenden Schicksalen ukrainischer Kriegsversehrter, die er ebenfalls mit Kommunikationstechnik unterstützt. Von einem älteren Musiker etwa, der in Charkiw ein Tonstudio hatte und der bei einem Bombenangriff beide Beine verloren hat. Und von einem 21 Jahre alten Mann, der nahe der Front auf eine Mine getreten ist und so den rechten Arm und das rechte Bein verloren hat. Nach wie vor bietet die Windrose auch in Kooperation mit der Integrierten Gesamtschule (IGS) Stierstadt Deutschkurse für ausländische Schüler an, außerdem nachmittags Hausaufgabenhilfe“, erklärt Windrose-Kassierer Wolfgang Dörnbach. Um das Projekt „Kulturcafé Windrose“ in der Strackgasse zu realisieren, wurde Ende 2020 der Trägerverein Kommunikationszentrum Altstadt gegründet. Mitglieder sind die Stadt, der Kultur- und Sportförderverein, die Pfarrei St. Ursula und Windrose. Mehr auf www.windrose-oberursel.de. cg

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